Mittwoch, 12. Dezember 2018

Kauft euch einen Plattenspieler!

Achtung! Achtung! Werbung! Ich berichte von meinen persönlichen Erfahrungen mit Dingen, die ich von meinem eigenen Geld gekauft habe! Ebenfalls berichte ich von Shops, bei denen ich mit meinem eigenen Geld eingekauft habe! Achtung! Achtung! Werbung!

Hallo ihr Lieben. Ich habe ein Anliegen: Kauft mehr Plattenspieler. Nicht, dass ich von der Wirtschaft bezahlt werden würde (schön wärs). Ich will auch nicht empfehlen, neue Plattenspieler zu kaufen. Bloß nicht. Ein Großteil der Plattenspieler, die heue neu gebaut und verkauft werden sind überteuert und kommen nicht an die Geräte aus der absoluten Blütezeit der Schallplatte heran. Aber dazu weiter unten mehr. Muss ja schließlich alles Struktur haben hier! Wo kämen wir denn da hin, wenn es sowas hier nicht gäbe? Also erstmal los mit dem Grundgedanken:

Ich bin der Meinung, dass Musik heute oft genug nicht mehr wirklich gewürdigt wird. Wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass heute eh alles nur noch gleichförmig klingt und die meiste Musik, die heute in den Charts ist zu ca. 90% aus Autotune besteht. Aber ändert das etwas daran, dass es auch noch gute Musik gibt? Nein. Und ich finde, man sollte wirklich gute Musik auch würdigen. Ich kenne das Problem von mir selbst. Musik verkommt zur absoluten Nebenbeschäftigung. Bei der Arbeit läuft Radio, im Auto läuft Radio, Zuhause läuft Radio. Beim Zocken, beim Arbeiten, beim Aufräumen, beim Einkaufen, überall läuft Musik. Und auch wenn das an sich erstmal schön ist, und (zumindest mir) die Arbeit meistens deutlich angenehmer gestaltet, sorgt es doch dafür, dass die Musik, die da läuft, nicht mehr wirklich gewürdigt wird. Das verkommt eben einfach nur noch zu Hintergrundgedudel und das wars. Kaum jemand nimmt sich noch wirklich die Zeit, sich mal Zuhause hinzusetzen und mit Hirn und Aufmerksamkeit Musik zu hören. Und genau deswegen sage ich, dass ihr mehr Plattenspieler kaufen sollt.


Denn - ob du willst oder nicht - ein Plattenspieler zwingt dich dazu, dich mit der Musik auseinanderzusetzen. Es fängt schon damit an, dass du eben nicht nur einen Klick bei Spotify machen musst. Du musst deinen Hintern erheben, dich zu deiner Plattenkiste begeben, eine Platte deiner Wahl rausnehmen, die auf den Plattenspieler auflegen, im Optimalfall da einmal mit ner Plattenbürste drüber gehen und dann den Plattenspieler starten. Wobei dass mit der Bürste ehrlich gesagt einfach ist, wenn der Plattenteller sich schon dreht. Und anschließend gibt es dann das leichte, kurze Knacken zu hören, wenn die Nadel auf die Platte aufsetzt. Am Ende der Einlaufrille beginnt dann erst die Musik. Und in einer Welt, in der alles immer schneller, höher, weiter geht, ist es gerade wichtig, sich manchmal ein wenig Zeit für etwas zu nehmen. Und ein Plattenspieler zwingt dich nunmal dazu, dir Zeit zu nehmen. Davon abgesehen ist es für mich auch ein großer Unterschied, ob ich das Cover einer 12 Zoll Platte in der Hand halte oder ob ich bei Spotify einen Doppelklick auf das Objekt meiner Begierde mache.


Weiterhin sind Schallplatten oft (wenn auch nicht immer) anders gemastert als die Aufnahmen, die man bei Spotify oder auf CD zu hören bekommt. Oft wirkt sich der Loudness War - falls ihr nicht wisst, was das ist, könnt ihr das hier nachlesen und hier nachhören - weniger auf Schallplatten als auf andere Medien aus. Das ist für mich schon ein sehr guter Grund, Schallplatten zu hören. Denn wer einmal drauf achtet, wird dieses Phänomen, welches als Loudness War bekannt ist an vielen Stellen wiederfinden. Das beste Beispiel für mich ist das Album Californication von den RHCP. Hört mal in Californication rein und hört euch anschließend die nicht gemasterte Version an. Ihr könnt mich für verrückt erklären, aber für mich ist da ein deutlicher Unterschied zu hören. Am besten lässt sich das logischerweise hören, wenn man Kopfhörer dafür benutzt.


Aber ich bin vom ursprünglichen Thema abgekommen: Schallplatten sind oft anders gemastert. Zum einen eben die "fehlende" oder reduzierte Loudness, zum anderen haben Schallplatten technisch bedingt oft den "weicheren" Klang. Die beste Aussage, die mir diesbezüglich einfällt ist wohl die eines Bekannten, der sagte "Bei einer Schallplatte hast du einfach viel eher das Gefühl, dass du dabei bist, wenn die Musik gemacht wird". Das klingt jetzt erstmal ein wenig komisch, aber ich weiß genau, was dieser Bekannte damals meinte. Die Musik klingt (zumindest subjektiv) echter.


Das beste Beispiel dafür ist American Idiot von Green Day (passenderweise mein Lieblingsalbum). Ich habe mir dieses Album vor Jahren auf CD gekauft und bestimmt hundert Mal gehört. Und als ich dann einen Plattenspieler hatte, habe ich mir das Album eben nochmal auf Platte gekauft. Und es ist, so komisch es auch klingen mag, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wo man bei der CD nur einen "Musikbrei" aus allen Instrumenten wahrnimmt, kann man auf der Platte die einzelnen Instrumente und den Gesang klar differenzieren. Auf der CD hört sich das eben nach "einem Lied" an, auf der Platte setzen sich die klar differenzierbaren, einzelnen Instrumente zu einem zusammen. Das klingt (und ist wahrscheinlich auch) bescheuert, aber ich hab schon diversen Leuten beides vorgespielt und anschließend gefragt, ob sie einen Unterschied bemerken, und jeder hat mir so ziemlich genau das gesagt, was ich hier geschrieben habe.


Das wird vermutlich wie gesagt nicht daran liegen, dass Vinyl das bessere Medium ist und das Musik analog grundsätzlich besser klingt. Bei einer Samplerate von 320 kbit/s und mehr kann mir niemand mehr erzählen, dass irgendwelche Nuancen der Musik verloren gehen, die man auf einer Platte deutlich hört und in der Digitalversion des Liedes dann nicht mehr. So ein feines Gehör kann kein Mensch haben, und jeder der das Gegenteil behauptet, spielt sich etwas vor. Es liegt eben einfach daran, dass die Musik, die auf Schallplatten herausgebracht wird ziemlich oft anders gemastert ist.


So, jetzt aber auch genug damit und weiter zum nächsten Punkt auf der Tagesordnung. Ich kann euch schließlich nicht einfach sagen, dass ihr einen Plattenspieler kaufen sollt, ohne euch zumindest grob zu erklären, was es da hauptsächlich für Modelle gibt und was Vor- und Nachteile dessen sind. Also los:


Beim Kauf von Plattenspielern gibt es einige Dinge zu beachten. Ich versuche jetzt mal, die hier aufzulisten:


Der Antrieb:

Die beiden gängigsten Antriebsarten sind Riemenantrieb und Direktantrieb. Beim Direktantrieb gilt Achse des Plattentellers = Antriebsachse. Bei Riemenantrieb ist der Plattenteller über einen Riemen mit dem Motor verbunden. Ich persönlich würde immer einen direktangetriebenen Plattenspieler bevorzugen, da diese im Allgemeinen robuster sind und wesentlich geringere Gleichlaufschwankungen haben. Meistens sind die aber ein bisschen teurer. Plattenspieler mit Riemenantrieb funktionieren auch, sind meistens etwas günstiger, haben aber dafür den Riemen als zusätzliches Verschleißteil. Wo bei einem Direktantrieb "nur" die Nadel verschleißt, kommt bei einem Riemenantrieb noch dazu, dass der Riemen auf die Dauer ausleiert, was zu Gleichlaufschwankungen oder falschen Abspielgeschwindigkeiten führen kann.

Daher in diesem Fall meinerseits die Empfehlung: Greift etwas tiefer in die Tasche und kauft euch einen mit Direktantrieb. Wenn ihr es nicht tut, wird es euch (wie in meinem Fall) früher oder später leidtun.


Drehgeschwindigkeit:

Die meisten Plattenspieler haben zwei Geschwindigkeiten zur Auswahl. 33 1/3 RPM für 12 Zoll Langspielplatten und 45 RPM für 12 und 7 Zoll Singles (und Ed Sheeran Alben, warum auch immer). Manche bieten auch noch 78 RPM an, diese Drehzahl wird allerdings nur bei sehr alten Schellackplatten genutzt und wird daher heute eher selten gebraucht.


Drehzahl justieren:

Es gibt verschiedene Optionen, diese Drehzahl einzustellen. Günstigere Plattenspieler verfügen über 1-2 Potis, an denen man die Umdrehungszahl für die jeweilige Einstellung feinjustieren kann.

Bei etwas teureren Drehern hat man oft noch ein kleines Stroboskop und eine Skala am Plattenteller, auf die dieses Stroboskop gerichtet ist. Die Skala (häufig bestehend aus Strichen oder Punkten; immer im selben Abstand zueinander) wird genutzt, um die Drehgeschwindigkeit korrekt einzustellen. Dabei flackert das Stroboskop mit der Netzfrequenz des Stromnetzes (in Deutschland also mit 50 Hz). Die entsprechende Skala am Rand des Plattentellers ist so "angezeichnet", dass die Punkte bei der richtigen Geschwindigkeit unter dem Stroboskop optisch stillstehen. Anhand dessen kann man entsprechend die Geschwindigkeit einstellen.

Weiterhin gibt es Plattenspieler, die ihr Drehgeschwindigkeit selbst justieren. In diesem Fall synchronisieren sich diese entweder (ähnlich wie das Stroboskop) mit dem Stromnetz als Referenz oder, wie bei den meisten teureren Plattenspielern, mit einem Quarz als Referenz. Der Quarz ist logischerweise immer die präzisere Option, da er (im Gegensatz zur Frequenz des Stromnetzes) nicht schwankt. Bei den meisten quarzsynchronisierten Plattenspielern lässt sich diese Synchronisation auch abschalten, um die Umdrehung per Hand zu justieren.


Automatiken:

Ähnlich wie schon bei den Drehzahlen gibt es auch hier drei Optionen. Einen manuellen, einen halbautomatisch oder einen vollautomatischen Plattenspieler. Bei dem manuellen findet mehr oder weniger alles per Hand statt. Man legt die Platte auf, nimmt den Tonarm aus seiner Ablage und bewegt ihn über die Platte. Dann wartet man, bis der Plattenteller die Endgeschwindigkeit erreicht hat und legt den Tonarm auf die Platte. Ist die Platte zu Ende gelaufen und die Nadel in der Auslaufrille angekommen, nimmt man den Arm wieder hoch und bewegt ihn wieder auf die Ablage.

Bei einem halbautomatischen Plattenspieler betätigt man zuerst einen Schalter, welcher den Tonarm von seiner Ablage herunter bewegt und "schweben" lässt. Anschließend bewegt man den Arm per Hand über die Platte, sodass dieser über der Einlaufrille "schwebt". Dann betätigt man den Schalter erneut, wodurch der Tonarm sich automatisch auf die Platte senkt. Ist die Platte zu Ende, läuft die Nadel auch hier in die Auslaufrille. Je nachdem, ob der Plattenspieler eine Rücklaufautomatik hat, bewegt sich der Arm von da aus selbstständig wieder auf seine Ursprungsposition zurück und bleibt dort liegen. Ist keine vorhanden, muss der Arm per Hand wieder dorthin bewegt werden.

Der letzte im Bunde ist der vollautomatische Plattenspieler. Bei diesem muss lediglich die Platte aufgelegt und ein Knopf gedrückt werden. Anschließend dreht der Plattenteller auf Nenndrehzahl hoch, der Tonarm bewegt sich über die Platte und senkt sich auf die Einlaufrille. Läuft der Tonarm in die Auslaufrille wird dieser angehoben und automatisch auf die Ablage zurückbewegt. Das einzige Manko ist, dass man dem Plattenspieler mitteilen muss, ob es sich um eine 12 oder 7 Zoll Platte handelt, da die entsprechende Einlaufrille getroffen werden muss.


Wenn ich die ganzen restlichen Eigenschaften, die es bei Plattenspielern so geben kann hier auch noch aufliste, wird dieser Post noch fünf Seiten länger, also spare ich mir das einfach mal. Ich kann euch noch ein paar Empfehlungen mit auf den Weg geben, auf was ihr beim Kauf eines Plattenspielers achten solltet und mit welchen Modellen ihr nichts falsch machen könnt. Zuerst mal die Liste an Dingen, auf die ich achten würde:
  • Direktantrieb
  • Quatzsynchronisiert oder zumindest mit Stroboskop zum Justieren der Geschwindigkeit, mit Stroboskopscheibe und Glühbirne ist das nämlich ein absoluter Krampf
  • Lieferbarkeit von Ersatznadeln für das Gerät
  • Je nach persönlicher Präferenz die entsprechende Automatik
Allgemein lässt sich weiterhin sagen, dass die besten Plattenspieler zumeist die sind, die aus Baujahren rund um die Blütezeit der Schallplatte stammen. Im ganz Groben heißt das, dass man so ziemlich alle Plattenspieler aus den 80er Jahren ganz gut kaufen kann. Für den, der keine Lust hat, sich so viel Recherchearbeit wie ich vorm Kauf meines Plattenspielers zu machen, habe ich hier jetzt noch die ein oder andere Empfehlung:

Technics SL1210:

Quasi der Plattenspieler aller Plattenspieler. Fragt man einen DJ, welcher Plattenspieler der Beste ist, der je gebaut wurde, werden die meisten wohl mit diesem Gerät antworten. Einen entsprechend guten Ruf hat dieser Dreher auch. Guter, starker Antrieb, quarzsynchronisierter Motor und beinahe unzerstörbar. Dazu die Möglichkeit, das Tonabnehmersystem relativ einfach und problemlos auszutauschen. Alles in allem ein wirklich schöner Plattenspieler, für den Einstieg (und vielleicht auch für die normale Heimnutzung) aber deutlich zu teuer. Denn wer so ein Gerät sein Eigen nennen möchte, der muss tief in die Tasche greifen. Unter 350€ sind diese Geräte selten bis nie zu haben. Selbst defekte, die als Bastlerware angeboten werden, kosten oftmals noch mehr als 200€. Dafür aber vermutlich der Plattenspieler, mit dem man absolut nichts falsch machen kann.

AKAI AP 306c:

Ein direktangetriebener, quarzsynchronisierter Halbautomat aus den 70er Jahren. Schöner Gleichlauf, einfach tauschbare Nadel und (für den Fall der Fälle) auch noch mit Stroboskop und Skala am Plattenteller. Kann so ziemlich genau das, was alle direktangetriebenen Plattenspieler können. Ist ab und an mal für relativ wenig Geld (~120€) zu haben und eine lohnende Investition.

JVC AL-F3:

Ich kann wohl kaum einen ganzen Post über Plattenspieler schreiben und meinen unerwähnt lassen. Ich besitze einen JVC AL-F3 BK (wobei das BK nur für die Farbe steht). Gebaut zwischen '87 und '90 befindet sich dieser Plattenspieler quasi gerade noch so in der Blütezeit des Plattenspielerbaus. Ein direktangetriebener Vollautomat, der zwar nicht über eine Quarzsynchronisierung verfügt, dafür aber wenigstens eine Skala mit Stroboskop zur Feinjustierung hat. Unterstützt die Standardgeschwindigkeiten, hat einen gut laufenden Motor und eine (etwas Gemächliche) Automatik. Dazu das alte T4P Tonabnehmersystem, wenn der Originalabnehmer also nicht gefällt, kann dieser durch diverse Fabrikate bekannter Hersteller (Audio Technica, Ortofon) ausgetauscht werden. Der einzige negative Punkt, den ich für diesen Plattenspieler in der Hinterhand habe ist, dass es echt ein Krampf ist, das Auflagegewicht passend einzustellen. Aber auch dazu sage ich gleich noch was. Zu haben ist der Dreher für ca. 80€ in gutem Zustand.

Und jetzt weiter im Text. Wenn der Plattenspieler gekauft wurde, wäre der nächste logische Schritt, diesen anzuschließen und so weit "einzurichten", dass man damit vernünftig Musik hören kann. Zunächst wäre da einmal der Anschluss an einen Verstärker. Traditionell findet das meistens mit einem (am Plattenspieler angebauten) Cinch Kabel. Manche Plattenspieler haben zusätzlich noch eine Erdungsleitung, die entsprechend gerne an die Erdungsklemme des Verstärkers gehängt werden möchte. Ist solch eine Klemme nicht vorhanden, bieten sich auch der Erdleiter einer Steckdose, eine Heizung, ein Heizungsrohr oder andere, freiliegende und geerdete Metallteile an (auch wenn das nicht unbedingt die professionellste Art der Erdung ist). 

Danach sollte das Auflagegewicht eingestellt werden. Bei den meisten Plattenspielern geschieht das dadurch, dass man ein Gegengewicht am hinteren Ende des Tonarms entsprechend einstellt. Bei anderen (wie eben zum Beispiel dem JVC AL-F3) gibt es eine Schraube in der Nähe der Stelle, an der der Tonarm befestigt ist. Diese kann rein und raus gedreht werden, um den Tonarm anzuheben oder zu senken. Das Ziel ist, dass die Nadel am Ende des Tonarms möglichst so auf der Platte aufliegt, dass sie zwar nicht bei der kleinsten Bewegung springt, aber auch nicht in die Platte "schneidet". Für die Einstellung des Auflagegewichtes gibt es bei den meisten Plattenspielern aber auch eine Sektion in der Betriebsanleitung.

Zusätzlich dazu sollte (wenn vorhanden) das Anti-Skating des Plattenspielers so eingestellt werden, dass es sich mehr oder weniger mit dem Gegengewicht deckt. Im Groben handelt es sich beim Skating um das Phänomen, dass sich der Tonarm ein kleines bisschen anders bewegt, als er eigentlich sollte. Dieses Phänomen wird eben durch das Anti-Skating Gegengewicht ausgeglichen. Wer das gerne genauer nachlesen möchte, kann das hier tun.

Wenn das ebenfalls passiert ist, ist die nächste Voraussetzung, dass man die ein oder andere Schallplatte besitzt. Und wenn ich schon dabei bin, hier einen halben Roman zu schreiben, kann ich euch auch noch was das angeht den ein oder anderen Rat mit auf den Weg geben. Zum einen gibt es in den meisten etwas größeren Städten Plattenläden. Bei Absolut Radio gibt es das eine ganz gute Liste, in der die meisten Läden, die ich kenne, zu finden sind. Weiterhin kann man natürlich bei den einschlägigen Elektronikmärkten (Media Markt, Saturn etc.) Schallplatten kaufen. Da es aber - vor allem bei den beiden zuletzt genannten Gelegenheiten - oft nicht ansatzweise alle Platten gibt, die man gerne haben möchte, gibt es auch noch die Möglichkeit, online zu bestellen. Zum einen gibt es da diesen großen Versanddienstleister, der irgendwann mal als kleines Versandhaus für Bücher angefangen hat. Und zum anderen gibt es da so wundervolle Seiten wie jpc. Von dem erstgenannten Versanddienstleister - man nennt ihn auch Amazon - kann ich euch eher abraten. Wenn ihr keine Lust habt, ein und dieselbe Platte mehrfach zurückzuschicken, bis ihr eine bekommt, die keine Kratzer oder Sprünge hat und nicht verbogen ist, solltet ihr einen Bogen um Amazon machen. Ungefähr zwei- bis dreimal im Jahr lohnt es sich aber doch, dort zu bestellen. Denn ab und an gibt es dort ein "Kaufe 3 zahle 2" Angebot, bei dem man drei Platten kauft und dann die günstigste der drei kostenlos erhält. Und für die damit verbundene Ersparnis lohnt sich auch der Aufwand, eventuell eine der Platten zurückschicken zu müssen. Bei allen anderen Gelegenheiten würde ich - wie bereits erwähnt - zum Einkauf bei jpc raten. Die Preise der Platten sind meistens nicht groß höher als die auf Amazon und den Versand gibt es bei Vinyl immer geschenkt. Wenn man dann auch noch einen Postboten hat, der es nicht für eine gute Idee hält, Pakete geknickt in den Briefkasten zu stecken statt zu klingen, ist alles perfekt.

Sind dann Schallplatten und Plattenspieler vorhanden, der Plattenspieler angeschlossen, geerdet und die Gewichte passend eingestellt, muss nur noch die Platte abgespielt werden. Zunächst also die Platte aus dem Cover nehmen, dann aus der Innenhülle und auf den Plattenteller legen. Anschließend (bei Bedarf) die Platte auf dem Plattenteller einmal mit einer dafür gedachten Bürste reinigen, damit möglichst wenig Staub beim Abspielen das Klangerlebnis stört. Ist das geschehen, bleibt noch die Nadel (per Hand oder automatisch) auf die Platte zu senken. Anschließend wird die Platte abgespielt. Wenn die Platte zu Ende gelaufen ist, sollte man sie möglichst direkt wieder in das Cover zurückstecken und in die Plattenkiste der Wahl zurücklegen. Das klassische "Ich lass das mal im Player" wie bei CDs auch für Platten zu übernehmen ist keine sonderlich gute Idee, weil Platten nun mal deutlich empfindlicher gegenüber Staub/Dreck/Kratzern sind als CDs.

Mit meinem (endlos langen) Post zum Thema Plattenspieler und Platten bin ich soweit jetzt erstmal durch. Bevor ihr jetzt loszieht und einen Plattenspieler kauft, möchte ich euch noch warnen:

Das Ganze kostet Geld! Glaubt mir. Egal, wie teuer der Plattenspieler ist, der ist nur ein geringer Teil der Kosten dieses "Hobbys". Denn wenn man einen Plattenspieler hat, tendiert man dazu, sich mehr und mehr Platten zu kaufen. Behauptet also nicht, ich hätte euch nicht vor den Kosten gewarnt!

So, das wars jetzt aber auch. Ich danke euch vielmals fürs Lesen und sage bis zum nächsten Mal.

Montag, 3. Dezember 2018

Mal wieder was richtig Gutes zocken

Achtung, Softspoiler für Marvel's Spider-Man enthalten!


Hallo meine Lieben. Seit Jahren heult die ganze Welt (inklusive mir) rum, dass in der Gamingindustrie nichts mehr so ist wie früher. Und das stimmt so auch erstmal. Das Hauptproblem, über welches sich viele (quasi alle) Gamer beschweren ist, dass man mittlerweile keine fertigen Spiele mehr bekommt. 

Diese Beschwerde hat vor allem zwei Gründe. Zum einen ist es dank (beinahe) flächendeckender Breitband-Internetverbindung problemlos möglich, nach Release eines Spiels noch einen Patch hinterherzuschieben. Und das verleitet mittlerweile so ziemlich die gesamte Industrie dazu, halbfertige Spiele herauszubringen, am Releasetag fett abzukassieren und anschließend über die nächsten Wochen dann man dafür zu sorgen, dass das Spiel (für das der Kunde zumeist 60€ oder mehr zahlt) auch spielbar ist. Ich deute da mal mit dem Finger son bisschen in Richtung Assassins Creed Unity, weil da nach  dem Release diese tollen Bilder die Runde gemacht haben. Ich könnte hier noch gefühlte tausend Beispiele nennen (man schaue sich allein einmal die Releasefassung von Battlefield 4 an), aber das bringt uns ja auch nicht weiter. Es nervt die Meisten aus der Gamingcommuntiy (mich eingeschlossen), dass man keine fertigen Spiele mehr kaufen kann. 

Früher konnte man in den Elektronikfachmarkt seiner Wahl gehen, dort das gewünschte Spiel aus dem Regal nehmen und es zuhause in die Konsole legen oder auf dem PC installieren. Und man konnte losspielen. Ohne gezwungen zu werden, tausend Patches herunterzuladen, bevor man das Spiel starten darf (zugegeben wäre es ohne diese erzwungenen Patches vermutlich nicht spielbar). Einfach Datenträger rein, eventuell noch kurz installieren und los geht's. Aber das gehört wohl endltig der Vergangenheit an. Nicht so das "andere Problem". 

Der zweite große Grund für Beschwerden aus der Gamingcommunity ist, dass man heute für den Preis von 60€ kein ganzes Spiel mehr bekommt. Man bekommt viel mehr die grobe Hülle eines Spiels und muss den Rest dann dazukaufen. Es gibt 1-X DLCs, Preorder-Exclusives, irgendwelche Inhalte, die man nur von bestimmten Händlern bekommt und so weiter und so fort. Früher hat man sich ein Spiel gekauft, es installiert und konnte damit erstmal Stunden verbringen. Ich nehme da jetzt mal Warcraft 3 als Beispiel. Damals bist du in den Laden gegangen und hast dir aus dem Regal Warcraft III: Reign of Chaos genommen. Das hast du dann glücklich zuhause auf deinem AMD Athlon Rechner mit Windows XP und 512MB RAM installiert und damit viele, viele Stunden verbracht. Und irgendwann, wenn dir das alles zu langweilig wurde und du die Kampagne mehrmals gespielt hattest, bist du wieder in den Laden gegangen und hast dir Warcraft III: The Frozen Throne gekauft. Und damit hast du vermutlich mindestens genau so viel Zeit wie mit dem Originalspiel verbracht. 

Und ist Blizzard deswegen pleitegegangen? Nein, wieso auch. Das Spiel war (und ist) super, das hat sich rumgesprochen und in kürzester Zeit wollte so ziemlich jeder Strategiespielfreund dieses wundervolle Machwerk besitzen und spielen. Ergo hat sich dieses wunderbare Stück Software verkauft wie geschnitten Brot. Aber zu der Releasezeit von Warcraft 3 war es für die Verkaufszahlen ja auch noch wichtig, dass ein Spiel Spaß macht. Und das ist heute eben leider oft nicht mehr so. Klingt erstmal komisch, ist aber tatsächlich so. Wer das nicht glauben will, kann ja mal zuerst einen Blick auf die Verkaufszahlen und anschließend auf den User Score von Watch Dogs werfen. 

Und wisst ihr was? Wenn ich schon auf Watch Dogs (oder wegen meiner auch Watch_Dogs) rumhacke, mache ich das gleich zum Opfer meiner Kritik. Denn heute erhält man für den Vollpreis von 60€ eben kein ganzes Spiel mehr. Man erhält ein Spiel mit Handlung und der Möglichkeit, diese durch DLCs auszubauen. Wikipedia hat da ne ganz gute Übersicht darüber, was es an zusätzliche Inhalten für Watch Dogs gibt und worin diese enthalten sind/was nötig ist, um diese zu erhalten. Die entsprechende Tabelle habe ich hier mal als Screenshot eingefügt. 

Aber da das ja nicht reicht, lässt sich die Industrie immer wieder etwas Neues einfallen, um die zahlende Kundschaft zu ärgern. Zum Beispiel solche tollen Sachen wie Kopierschutz durch Onlinezwang. Gut, den gab's bei Watch Dogs jetzt nicht direkt, aber trotzdem. Wenn du angefangen hast im Onlinemodus zu spielen, hattest du auch n ziemlich böses Erwachen, wenn du anschließend mal keine Internetverbindung hattest. Dir wurden in dem Fall nämlich einfach mal eben sämtliche Skills resettet. Auch nicht gerade die beste Alternative zum kompletten Onlinezwang. Aber Watch Dogs war nun mal so oder so kein gutes Spiel. Zumindest meiner Meinung nach nicht. Vielleicht nehme ich das auch deswegen jetzt als Beispiel für die DLC Problematik. 

Aber bevor das hier jetzt aussieht, als wäre alles nur noch scheiße, möchte ich auf den eigentlichen Grund für diesen Post zu sprechen kommen. Denn es gibt hier und da ja doch den ein oder anderen Lichtblick. Mein Lichtblick ist in dem Fall Marvel's Spider-Man.  Denn dieses Spiel macht alles richtig, was es nur richtig zu machen gibt. Man kauft das Spiel (muss zugegeben nen Patch von aktuell 13GB herunterladen) und kann spielen. Kein Onlinezwang, keine Trophäen, die man nicht bekommen kann, wenn man Offline spielt, keine Storykapitel, die einem dadurch verwehrt werden. Man bekommt ein komplettes funktionierendes Spiel mit in sich geschlossener Story geliefert. Und neben der Story gibt es auch noch mehr als genug zu entdecken, und das ohne dafür DLCs kaufen oder irgendwelche Microtransactions durchführen zu müssen. Eben einfach ein komplettes Spiel, das sogar unter Vollpreis (aktuell für ~45€) zu haben ist.


Für dieses Spiel gibt es auch einen Seasonpass, das möchte ich gar nicht abstreiten. Aber trotz allem ist das Spiel in sich geschlossen und als einzelnes Spiel sehr gut spielbar. Man hat während des Spielens auch nicht das Gefühl, dass irgendetwas fehlen würde. Und die DLCs erzählen wiederrum eigenständige Storys, die (teilweise) während der Handlung des Hauptspiels angedeutet werden. Wie gut die entsprechende DLCs sind, werde ich aber wohl erst berichten können, wenn ich diese gespielt habe.

Trotzt der Tatsache, dass es auch für dieses Spiel DLCs gibt, möchte euch mal etwas vorrechnen. Eigentlich wollte ich hier jetzt den Preis von Watch Dogs mit Season Pass zum Zeitpunkt des Releases nehmen und das ganze einmal mit dem Preis von Spider-Man mit Season Pass gegenrechnen. Watch Dogs hat zu Release (wenn ich mich richtig erinnere) 59,99€ gekostet, der Season Pass 39,99€. Macht zusammen 99,98€ für das gesamte Spiel. Nehmen wir als Gegenstück jetzt Spider-Man. Das kostet auf Amazon derzeit 44,44€; der Season Pass kostet 19,99€. Zusammen macht das 64,43€; Im Klartext also das, was ein Vollpreisspiel momentan normalerweise kostet. Und bevor mir jetzt vorgeworfen wird, dass ich zu sehr zu Gunsten von Spider-Man reche: Nehmen wir man den Media Markt Preis. Dort kostet das Spiel aktuell 59,99€. Den Season Pass gibt es dort nicht, weshalb ich jetzt erstmal damit rechne, diesen ebenfalls im Playstation Store zu kaufen. Damit komme ich auf 79,98€. Das ist zwar noch ein ganzes Stück mehr Geld als in meiner anderen Rechnung, aber immer noch weit unter 99,98€.

Ergo zahlt man also bei Spider-Man in jedem Fall weniger für das gesamte Spiel als bei Watch Dogs. Und man bekommt, wie gesagt, das deutlich bessere Spiel. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch auch hierzu mal die User Reviews anschauen. Die fallen deutlich besser aus, als die von Watch Dogs. Ob das wohl daran liegen wird, dass Spider-Man einfach auf jede erdenkliche Weise das bessere Spiel von beiden ist? Wer das genau wissen will, wird sich wohl beide Spiele kaufen müssen.

Und das ist auch genau das, worauf ich hinaus möchte. Also nicht, dass ihr euch Watch Dogs kaufen sollt. Gott bewahre, nein. Das Spiel ist wirklich nicht gut und gehört zu den Sachen, die man nicht spielen sollte, auch wenn das für teilweise 5€ auf dem PC haben kann. Ich möchte euch ganz einfach dazu bewegen, euch Marvel’s Spider-Man für die PS4 einmal genauer anzusehen. Denn dabei handelt es sich um das erste Spiel, bei dem ich jedem, der eine PS4 besitzt ein uneingeschränktes „Kauf das!“ mit auf den Weg geben kann.

Das Spiel ist wunderbar und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Die Open World ist (nach einem kurzen Tutorial) frei begeh- oder besser beschwingbar. Ihr könnt euch überall umsehen, die ganze Welt auf eigene Faust entdecken und dabei der Geschichte des Spiels folgen. Es gibt diverse Collectibles, die man sich zusammensammeln kann und (ähnlich wie in Far Cry) Funktürme, die man freischalten kann um eine bessere Übersicht über die Stadt zu haben. Im Gegensatz zu eben erwähntem Far Cry sind diese Türme aber zu keiner Zeit irgendwie nervig. Es macht sogar (genau wie das Sammeln der diversen Collectibles) ziemlich viel Spaß.

Überhaupt macht an dem Spiel so ziemlich alles Spaß. Und das liegt wohl zu größten Teil an dem wunderbar flüssigen, intuitiven Movement des Spiels. Es macht einfach endlos viel Spaß, durch die (virtuellen) Straßen von New York zu schwingen, Bösewichte zu verdreschen und Gegenständen einzusammeln. Dazu kommt eine (meiner bisherigen Erfahrung nach) ziemlich gute Story mit ebenfalls ziemlich guter deutscher Synchronisation. Ich könnte jetzt noch eine Ewigkeit davon schwärmen, wie toll ich dieses Spiel finde, aber das bringt uns ja auch nicht weiter. Deswegen versuche ich jetzt mal, ein Fazit zu ziehen.

Marvel’s Spider-Man ist ein großartiges Spiel und für mich (bisher) der beste PS4-exklusive Titel, den ich gespielt habe. Das Gameplay ist super, das Spiel ist grafisch auf dem Niveau, das ich von der PS4 erwarte und die Story ist toll in Szene gesetzt. Es gibt auch neben dem Verlauf der Handlung genug zu tun und diese kann auch ohne Strafe für längere Zeit ignoriert werden. Also quasi alles, was ich mir für ein Open-World-Spiel wünsche. Große Welt, frei erkundbar, keine alle zwei Minuten nervende „Ey, du hast da noch ne Storymission“ Erinnerung. Einfach ein Traum. Oh, und wem das alles noch nicht reicht: Es gibt einen Stan Lee Cameo in dem Spiel. Auch wenn dieser großartige Mann leider von uns gegangen ist, so lebt er doch in seinen endlosen Kreationen (und in den Marvel Filmen) weiter. Und eben auch in diesem wunderbaren Stück Software. Abschließend bleibt also noch zu sagen: Vielen Dank fürs vorbeischauen und lesen und: Wenn ihr eine PS4 besitzt oder euch eine ausleihen könnte, spielt Marvel’s Spider-Man. Das Spiel ist jede Sekunde wert, die man damit verbringt.