Mittwoch, 21. Januar 2026

Also, wie geht's weiter?

Grüßt euch! Nachdem ich die letzten Wochen Urlaub hatte und relativ viel hier und da unterwegs war, ist mir so aufgefallen, dass ich den eigentlich geplanten Post zum Thema "Was ist denn jetzt der Plan für den Blog hier?" noch nicht fertiggeschrieben habe. Also habe ich mich direkt hinter meine Tastatur geklemmt und angefangen, zu Ende zu tippen. Keine Sorge, hier kommt jetzt nicht schon wieder so eine riesiger Textblock, der keinen interessiert. 
 
Also, was ist denn jetzt der Plan für den Blog hier?
Kurz gesagt: Bücher. 
Länger gesagt: Die tiefergehende Beschäftigung mit den literarischen Machwerken, mit denen ich mich wahlweise kürzlich oder auch schon vor längerer Zeit beschäftigt habe. Meine Idee ist es, wie oben in der Unterüberschrift zu lesen ist, einen gewissen Gegenentwurf zu Booktok zu bilden. Damit meine ich nicht, dass ich mich nur mit kulturell wertvollen, klassischen Büchern beschäftigen möchte, sondern vornehmlich mit den Dingen, die auf Booktok zu kurz kommen oder gar nicht angesprochen werden, im Klartext also: Alles, was nicht Young Adult/New Adult/Romantasy/etc. ist. Bücher für alte weiße Männer also.
 
Warum das Ganze?
Nun, einen Teil der Antwort habe ich sicherlich hier schon einmal dargelegt. Darin finden sich einige Gründe, unter anderem meine Frustration mit dem allgemeinen Zustand, in welchem sich das Hobby "lesen" derzeit befindet wie auch die Zustände, die in manchen Buchhandlungen herrschen. 
Allerdings ist das nicht der einzige Grund. Wie einen Absatz weiter oben genannt möchte ich eben auch einfach mal Büchern die Chance geben, etwas ausführlicher besprochen zu werden, die eine geringe bis nicht vorhandene Chance haben, auf Booktok und Co. irgendwelche Aufmerksamkeit zu bekommen.  
Zu guter Letzt sei noch ein ebenso relevanter Grund nicht unterschlagen: Ich habe Langeweile und der Mensch braucht Hobbies. Und da ich gerne lese und gerne über Bücher spreche, in meinem Freundeskreis aber sehr wenige Leute haben, die das ebenfalls tun, spreche ich eben mit einem Texteditor darüber und veröffentliche es anschließend in einer kleinen Ecke des Internets, für die sich sowieso niemand interessiert.  
 
Schlusswort? 
Eigentlich nicht. Abgesehen davon, dass ich noch anmerken könnte, wie dermaßen mich der Blogger-Editor damit wahnsinnig macht, dass er nicht versteht, was es bedeutet, wenn man die Fettschrift wieder abschaltet, habe ich nichts mehr zu sagen. Nur, dass ich mal schauen werde, wie sich die ganze Geschichte hier in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird und über was genau ich schreiben werde. 
Bis dahin allerdings bleibt mir nicht mehr sonderlich viel, außer euch noch einen schönen Tag zu wünschen und dafür zu danken, dass ich ihr hier vorbeigeschaut und gelesen habt, was ich so verzapfe.  

Dienstag, 30. Dezember 2025

2025 - Das Jahr in Büchern

Grüßt euch, liebe Leute. Wie bereits zweimal in den letzten Wochen angedroht, wird dieser nette kleine Blog hier in Zukunft hauptsächlich ein Buchblog sein. Zum einen habe ich da einfach Bock drauf, weil ich seit einiger Zeit (wieder) sehr viel lese und zum anderen hoffe ich, dadurch zumindest minimal der fragwürdigen Entwicklung der Belletristik entgegenwirken zu können. 
Das ich das natürlich nicht kann, ist mir auch völlig klar, aber die meisten Blogs, die ich so zum Thema Bücher finde, befassen sich entweder nur mit den Klassikern und tun alles andere als Schund ab oder befassen sich nur mit Katzenstreubüchern. Ich habe die Hoffnung, mich einfach irgendwo dazwischen ansiedeln zu können, selbst wenn niemand das hier liest. Ich mache das schließlich nicht für andere, sondern hauptsächlich für mich selbst. 
 
Was also ist der Sinn dieses Posts? 
Sehr gute Frage! Meine Absicht hinter diesem Post ist exakt das, was in der Überschrift steht. Ich habe dieses Jahr (Stand des Tages, an dem ich diesen Post verfasse, die Zahl werde ich bis zum 31.12. laufend aktualisieren) 57 Bücher gelesen, damit also im Durchschnitt etwas mehr als ein Buch pro Woche. Natürlich handelt es sich dabei nicht ausnahmslos um dicke Wälzer mit 1000+ Seiten, aber ein Buch ist ein Buch. 
Meine Absicht hinter diesem Post ist es also nun, gewissermaßen eine "Preisverleihung" abzuhalten, also verschiedene Kategorien zu spezifizieren und dann ein Buch oder einen Autor/eine Autorin zu nennen, die mir in dieser Kategorie am besten gefallen hat. 
Die Kategorien sind: 
  • bestes Buch
  • beste Reihe 
  • beste Non-Fiction
  • bester Klassiker
  • bester Autor/Lieblingsautor 
  • bester Stil 
  • bester Charakter
  • bestes Zitat
  • größte Überraschung 
  • bestes Cover  
Zusätzlich dazu habe ich auch noch beschlossen, "Negativpreise" zu vergeben, namentlich: 
  • größte Enttäuschung
  • schlechtestes Buch 
Die Liste dessen, was ich dieses Jahr gelesen habe, also die Menge, aus denen die Bücher ausgewählt wurden, findet ihr hier. Auch diese Liste wird laufend bis zum Ende des Jahres von mir aktualisiert.
Da ich mich aber selbst ganz gut kenne und weiß, wie dieser Post zwangsläufig noch eskalieren wird in Anbetracht dessen, dass ich noch 12 "Preise" zu vergeben und zu den jeweiligen Büchern/Preisen etwas zu schreiben habe, will ich mich hier nicht länger aufhalten und zum wesentlichen kommen: Der Preisverleihung. 
Fangen wir also mit den oben genannten Kategorien in der Reihenfolge an. 
 
Bestes Buch: Glas - Stephen King
Direkt die Vergabe der ersten Kategorie fiel mir relativ schwer. Aus über 50 Büchern das auszuwählen, das ich am besten fand, ist keine leichte Aufgabe und am Ende ist die Wahl auf das vierte Buch aus Roland Deschains Reise zum dunklen Turm gefallen. Aber weshalb?
Nun, zum einen halte ich das Buch alles in allem für das beste der acht Dark-Tower-Bücher. Zum ersten Mal erfahren wir wirklich viel aus Rolands Vergangenheit, erfahren wie er als junger Revolvermann mit seinen Gefährten durchs Land gezogen ist. Zum anderen ist dem Leser des Buches ja zumindest in Grundzügen bereits bekannt, wie dieses Buch enden wird. Nichtsdestotrotz schafft King es, dass man Seite um Seite liest, mit den Charakteren und der Handlung mitfiebert und bis zu den letzten Seiten auf ein Happy End hofft, von dem man weiß, dass es nicht kommen wird. 
Daher ist Glas für mich das Buch, dem ich am ehesten den Preis geben würde, das beste zu sein, welches ich dieses Jahr gelesen habe.
 
Beste Reihe: Dresden Files - Jim Butcher
Hier gab's für mich nie viel Raum für Diskussion. Zwar habe ich dieses Jahr auch King's Dark Tower beendet und die Sapkowskis Prequels zur Geralt Saga gelesen, aber Jim Butcher holt mit Abstand den Preis. Nicht, weil ich die anderen beiden Reihen, die ich dieses Jahr beendet habe schlecht finde, sondern einfach, weil ich die Dresden Files alles in allem (wie man auch der Buchliste entnehmen kann) sehr gut fand. 
Kaum eins der Bücher ist meiner Ansicht nach schlecht, selbst die, die mich nicht abgeholt haben (Sturmnacht und Geistergeschichten) waren dennoch gut zu lesen. Jedes der Bücher ist kurzweilig und die handelnden Charaktere gefallen mir beinahe durch die Bank weg. Ich habe die Reihe relativ früh im Jahr angefangen, als ich in der Buchhandlung meines Vertrauens das erste Buch auf gut Glück mitgenommen habe. Während mir das (wie oben erwähnt) nicht 100%ig zugesagt hat, hat mir das ganze Konzept doch (glücklicherweise) gut genug gefallen, dass ich mir das zweite Buch gekauft habe. 
Und jetzt? Tja, jetzt sitze ich hier am Ende des Jahres, gute 200€ ärmer und 17 Dresden Files Bücher reicher. Allein die Tatsache, dass ich alle 17 dieser Bücher mit zwischen 386 (Sturmnacht) und 699 (Geistergeschichten) Seiten dieses Jahr gelesen habe, genügt mir ganz persönlich schon. Daher für mich ganz klar verdient die beste Reihe dieses Jahr. 
(Randanmerkung: Es unterhält mich irgendwie ein wenig, dass ausgerechnet die beiden, die mir am wenigsten gefallen haben das Extrem für das kürzeste beziehungsweise längste Buch der Reihe bilden.)
 
Beste Non-Fiction: Jeder für sich und Gott gegen alle - Werner Herzog
Zugegeben ist das wahrscheinlich die langweiligste Kategorie von allen, denn ich habe dieses Jahr genau ein Buch auf der Liste, das in diese Kategorie passt. Letztes Jahr wäre zumindest die Auswahl zwischen den Autobiografien von Dave Grohl und Adrian Newey vorhanden gewesen, aber nichtsdestotrotz ist der Preis für dieses Buch mehr als verdient und wäre, realistisch betrachtet, auch so vergeben worden, hätte ich mehr Non-Fiction gelesen. 
Wem Werner Herzog ein Begriff ist, dem muss ich kaum noch etwas zu diesem Buch sagen. Es handelt sich, in gewissem Maße, um Herzogs Memoiren. In Jeder für sich und Gott gegen alle erzählt er aus seinem bewegten Leben, beginnend in seiner Kindheit im bayerischen Hinterland, in das seine Mutter vor dem Krieg floh über seine Jugend und seine gesamte Karriere. Er berichtet von Weggefährten, von Erlebnissen und von Widrigkeiten, aber auch vielen positiven Dingen, die er erlebt hat. 
Würde es sich nicht um Werner Herzog handeln, die Hälfte der Geschichte, die in diesem Buch stehen, würde niemand glauben. Wer aber Werner Herzog und sein verrücktes Leben kennt, dem ist klar, dass wohl kaum irgendetwas von dem, was in diesem Buch erzählt wird, der Fantasie entstammt.
Daher für mich ganz eindeutig das beste Non-Fiction Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe. Wäre es wohl auch, hätte ich mehr als dieses gelesen. 
 
Bester Klassiker: Schuld und Sühne - Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Ein Buch, vor dem nicht wenige Menschen Respekt haben in Anbetracht dessen, wie langatmig es geschrieben ist, wie gerne der Autor immer wieder von der eigentlichen Haupthandlung abschweift. Trotz dessen (oder vielleicht gerade deswegen) hat es mir unglaublich gut gefallen. Viele der "älteren" Klassiker, die ich in meinem Leben bisher so gelesen habe (Das Bildnis des Dorian Gray, Effie Briest, Homo Faber, Utopia...) haben mich eher gelangweilt oder mir nicht unbedingt zugesagt. Versteht mich nicht falsch, bei vielen davon sehe ich, warum es sich um Klassiker handelt und warum sie auch heute noch so hochgehalten werden. Der Unterhaltungswert war für mich allerdings nur in geringem Maße gegeben und ich musste mich bei einigen dieser Bücher regelrecht zwingen, weiterzulesen. 
Und genau das ist bei Schuld und Sühne, ungeachtet der Tatsache, dass das Buch langatmig ist, für mich eben nicht der Fall gewesen. Die Grundzüge der Handlung, Raskolnikows Idee des erlaubten Mordes und die Folgen dessen, diese Idee in die Praxis umzusetzen, sind unglaublich gut erzählt und - im Gegensatz zu vielen anderen Klassikern - merkt man dem Buch sein Alter nur an relativ wenigen Stellen an. 
Natürlich mag hier noch die Frage sein, welche Übersetzung des Buches ich gelesen habe. Ich besitze (wie auf dem Foto zu sehen) die Ausgabe des Nikol-Verlags, übersetzt von Margit und Rolf Bräuer. Ich kann also nur von dieser deutschen Version sprechen, was die diversen anderen Übersetzungen angeht, halte ich mich bedeckt. 
So oder so hat mir das Buch wirklich gut gefallen, daher (trotz dessen, dass mir die anderen Klassiker auf meiner diesjährigen Liste auch gefallen haben) bekommt es den Preis als bester Klassiker. 
 
Bester Autor/Lieblingsautor: Jim Butcher
Vorab die Anmerkung: Es geht hier um meinen Lieblingsautor in Hinblick auf die Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe, nicht um meinen Lieblingsautor allgemein. 
Dieser Preis geht an Jim Butcher. Ich meine, ich habe dieses Jahr 17 Bücher von dem Kerl gelesen und jedes davon hat mir gut genug gefallen, um noch mehr lesen zu wollen. Ich glaube fast, viel mehr Begründung bedarf es dafür kaum. 
Mit Sicherheit findet man genug, was man am Werk dieses Mannes kritisieren kann, aber das ändert nichts daran, dass mir seine Geschichten gefallen, sein Stil erfrischend anders ist (zumindest aus meiner Sicht) und ich beim Lesen seiner Bücher eine Menge Spaß hatte. 
Daher geht diese Kategorie ohne viel hin und her an ihn.  
 
Bester Stil: Suzanne Collins - Das Lied von Vogel und Schlange
Vielleicht hätte ich diesen Post mit einer Vorwarnung versehen sollen, dass es sich hier durchweg um meine subjektiven Ansichten handelt. Naja, sei's drum. 
Soweit ich das in meinem Bekanntenkreis und auch in den Kreisen, in denen ich online unterwegs bin mitbekommen habe, hat dieses Buch, als es erschien, ziemlich polarisiert. Sehr viele Fans der vorherigen Bücher waren enttäuscht vom ganzen Inhalt, fanden die Charakterentwicklungen schlecht und mochten den Shift in der Perspektive von erster zu dritter Person nicht. 
Ich dagegen war großer Fan davon, vom Buch an sich, die Charakterentwicklung war meiner Meinung nach super und absolut on point, und - worum es ja eigentlich hier geht - der Wechsel in die dritte Person hat mir, ebenso wie der gesamte Rest des Stils, sehr deutlich zugesagt. Wesentlich deutlicher zumindest, als mir der Stil des anderen, neueren Prequels. Nicht, dass mir das nicht gefallen hat, nur der Stil hat mich eben nicht abgeholt. 
Bei diesem Buch hingegen eben schon, daher für mich ganz persönlich der Stil, der mir dieses Jahr am besten gefallen hat. 
 
Bester Charakter: Harry Dresden
Ich mag Harry. So, jetzt isses raus. Klar ist er hier und da altmodisch, ja gar chauvinistisch zu manchen Zeitpunkten, aber nichtsdestotrotz mag ich ihn. Geplagt von Selbstzweifeln und zeitgleich (insgeheim) eine relativ hohe Meinung von sich selbst und seinen Fähigkeiten habend ist Harry genau die Art ambivalenter Charakter, die ich gut leiden kann.
Und ja, natürlich ist gerade der Harry Dresden der ersten Bücher eine durchaus fragwürdige Person, an dem man auch viele negative Züge findet, die einer Korrektur bedürfen. Aber schon mal was von Charakterentwicklung gehört? Die Star Wars Sequel-Trilogie zeigt relativ beeindruckend, wie spannend eine Geschichte ist, deren Protagonist schon von Anfang an perfekt ist und keinerlei Entwicklung durchmacht. 
Viel mehr kann ich hier, fürchte ich, zu Harry Dresden gar nicht schreiben, ohne damit zu beginnen, den einen oder anderen Plotpunkt der Reihe zu spoileren, deswegen halte ich mich was alles weitere angeht vorerst zurück. Mehr vielleicht eines Tages in einem Review der ganzen Reihe, das dann auch (logischerweise) entsprechend Spoiler enthalten würde.
Um das also einmal zusammenzufassen: Ich kann Harry gut leiden. An manchen Stellen erkenne ich mich selbst in ihm wieder, und das genügt oft genug, um mir einen Charakter sympathisch zu machen. 
Aber jetzt weiter im Text!
 
Bestes Zitat: Stephen King - Hearts in Atlantis
"Read sometimes for the story, Bobby. Don't be like the book-snobs who won't do that. Read sometimes for the words - the language. Don't be like the play-it-safers that won't do that. But when you find a book that has both good story and good words, treasure that book."
 
Wer diesen Post gelesen hat, der wird dort eventuell vorfinden, dass ich tendenziell fast alles lese. Und genau das ist der sehr einfache, banale Grund, warum mir dieses Zitat zugesagt hat. Ich bin kein "Büchersnob", wie King es ausdrückt, ich nehme beinahe alles in die Hand und lese es. Zusätzlich kommt es bei mir extrem selten vor, dass ich ein Buch abbreche und nicht zu Ende lese. Zumindest ohne groß nachzudenken denke ich, ich kann die Anzahl an Büchern, die ich angefangen und nicht zu Ende gelesen habe an einer Hand abzählen. Aber ich schweife ab. 
Wie gesagt, das Zitat sagt mir zu, weil ich mich selbst darin finde. Wann immer jemand mich fragt, was sich zu lesen lohnt, tendiere ich dazu, Empfehlungen zu geben, zeitgleiche aber darauf hinzuweisen, dass man sich nicht von einem Buch abbringen lassen sollte, nur weil es "Schund" ist oder nicht zu den Klassikern gehört. 
Lest doch, was ihr wollt! Von mir aus sogar Katzenstreubücher. Nur haltet sie doch bitte aus normalen Buchhandlungen raus. 
 
Größte Überraschung: Evie Woods - Der verschwundene Buchladen
Welch eine Überraschung dieses Buch für mich war! Ich kann mich ganz gut erinnern, wie ich kurz vor meinem Urlaub im Juni in der Buchhandlung meines Vertrauens vor diesem Buch stand und den Klappentext las. Die grundlegende Idee gefiel mir, also tat ich, was ich in diesem Fall immer tue: Ich besuchte mit meinem Handy romance.io, um das Spice Rating des Buches zu prüfen. Nachdem diese Überprüfung ergeben hatte, dass es sich offenbar tatsächlich um einen Roman und nicht um einen Porno handelt, nahm ich es mit. 
Und was für eine Überraschung das Buch war! Zwar habe ich es nicht im Urlaub gelesen (da war ich gerade noch mitten in den letzten Zügen der Dark Tower Reihe), aber dann relativ direkt, nachdem ich wieder zuhause war. Versteht mich bitte nicht falsch, es war keine "Offenbarung", es ist nicht mein Lieblingsbuch geworden oder irgendwas dergleichen, aber es ist locker eines der zehn besten Bücher, die ich 2025 gelesen habe. 
Die Geschichte gefällt mir einfach irgendwie, den Grund dahinter kann ich nicht wirklich greifen. Und außerdem verstärkt dieses Buch mal wieder eine wichtige Tatsache, die man niemals vergessen sollte: Man sollte ein Buch nicht nach seinem Einband, sondern nach seinem Inhalt beurteilen. Denn hätte ich das (abseits dessen, das Spice Level vorher zu prüfen) getan, hätte ich dieses wirklich schöne Buch nicht gelesen, nur weil es optisch einem Katzenstreubuch ähnelt. Womit wir aber direkt zur nächsten Kategorie kommen. 
 
Bestes Cover: Evie Woods - Der verschwundene Buchladen
Jawohl, eine Doppelnennung. Denn das, was mich erst dem Buch gegenüber stutzig gemacht hat, gefällt mir nichtsdestotrotz ganz gut. Ich bin kein Fan von Farbschnitten, wobei das größtenteils durch meine Aversion gegenüber Katzenstreubüchern, die quasi immer Farbschnitte haben, bedingt ist, aber bei diesem Buch gefallen mir sowohl das Cover, als auch der Farbschnitt sehr gut. Es ist schön gestaltet und wer das Buch gelesen hat, der findet sicherlich auch das übergreifende Thema dieses Romans in der Cover- und Buchgestaltung wieder. Daher für mich nicht nur der Gewinner der letzten, sondern auch dieser Kategorie. 
 
So, damit sind die positiven Kategorien abgearbeitet, kommen wir also noch zu den beiden Negativpreisen. 
 
Größte Enttäuschung: Cornelia Funke - Die Farbe der Rache
Ich wollte dieses Buch mögen. Wirklich. Die Tintenweltbücher hätten mich seinerzeit meinen Realschulabschluss kosten können, denn Tintentod fand mein 17-jähriges Ich so dermaßen spannend, dass ich bis tief in die Nacht gelesen habe, weil ich unbedingt wissen musste, wie das Buch endet. Das Ergebnis dessen war dann, dass ich mit guten drei Stunden Schlaf eine meiner schriftlichen Abschlussprüfungen absolvieren musste. Glücklicherweise war es zum einen die Prüfung in Deutsch, die mir leicht von der Hand gegangen ist und zum anderen war ich eben 17 und damit noch sehr gut in der Lage, mit 3 Stunden Schlaf auszukommen. 
Aber ich schweife ab. 
Die Farbe der Rache hat mich leider sehr enttäuscht. Wo die vorherigen Bücher so spannend waren, dass ich sie kaum aus der Hand legen konnte, musste ich mich hier zwingen, weiterzulesen. Nicht, dass die Geschichte an sich schlecht wäre, aber irgendwie gelingt es Cornelia Funke in diesem Buch nicht, einen Spannungsbogen aufzubauen, zumindest für mich nicht. Ich bin zwar dennoch froh, es gelesen zu haben, die Enttäuschung darüber, dass ich dafür mehr Zeit gebraucht habe, als für die anderen drei zusammen, weil ich es aufgrund von Langeweile immer wieder aus der Hand gelegt habe, ist aber dennoch groß. 
Mein Gedanke war zuerst, dass ich vielleicht, über zehn Jahre, nachdem ich die anderen Bücher gelesen habe, einfach aus der Reihe "rausgewachsen" bin, sodass ich testweise die anderen drei Bücher auf meinem Weg zur Arbeit als Hörbücher im Auto gehört habe. Das Ergebnis dieses Experiments war, dass wohl tatsächlich der neueste Teil der Reihe die Schuld an der Enttäuschung trägt, denn die drei alten gefallen mir genauso gut wie früher.
 
Schlechtestes Buch: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
Jaja, Fackeln, Mistgabeln, der ganze Kram. Packt das alles wieder ein und hört mir erstmal zu:
Ich lese gerne Klassiker. Schlicht schon aus Neugier um zu sehen, wie sie mir gefallen und wie gut oder schlecht sie gealtert sind. Bei den allermeisten ist das Ergebnis, dass man ihnen das Alter vielleicht anmerken mag, sie mir aber dennoch gefallen. 
Nicht so bei diesem Machwerk. 
Ich bin ehrlich, ich habe keinen blassen Schimmer, wie dieses Buch so einen festen Platz in der Weltliteratur bekommen hat. Klar, Geschmackssache und so, aber ich finde es, ganz ehrlich gesagt, einfach nur langweilig. Und das nicht, weil "nichts passiert" oder nicht genug Actionszenen vorhanden sind oder dergleichen. Ich finde es einfach langweilig. Die Handlung spricht mich nicht an und anhand dessen, was ich vorher von dem Buch wusste, hätte ich gedacht, dass... Nunja, das namensgebende Bildnis des Dorian Gray eine übergeordnetere Rolle spielt, als es letzten Endes tut. 
Versteht mich bitte nicht falsch, natürlich schwingt es immer wieder im Kontext durch, aber ich bin ehrlich, von dem her, was mir andere Leute über das Buch erzählt haben, hatte ich einfach andere Erwartungen. Das zeigt mir allerdings wieder, dass ich möglichst nicht mit irgendwelchen Erwartungen an ein Buch herangehen sollte, die dann am Ende enttäuscht werden.  
Aus meiner ganz persönlichen, subjektiven Sicht ist dieses Buch schlicht zu langatmig. Klar, im Jahr 1890 galten andere Standards, will ich gar nicht abstreiten, aber wenn Schuld und Sühne es schafft, mich nicht zu langweilen, ist es eine Leistung, und keine positive, seitens dieses Buches, genau das zu schaffen. Gegen Ende wird das zwar etwas besser, aber ich kann mir einfach nicht helfen. Wenn ein Buch mit gerade einmal 250 Seiten es schafft, dass 100 Seiten davon überflüssig erscheinen, ist es - Klassiker hin oder her - für mich einfach kein gutes Buch. 
Bereue ich es, Das Bildnis des Dorian Gray gelesen zu haben? Nein. Sehe ich es als verschwendete Lebenszeit an? Ebenfalls nein. Aber ich kann nicht wirklich verstehen, woher dieses Werk seinen Stand in der Welt der Literatur hat und bin mir relativ sicher, dass ich es vermutlich nicht ein weiteres Mal aus dem Regal nehmen und lesen werde. 
 
Fazit
Ich bin mir sicher, für viele Menschen in der Literatur-Blogosphäre sind 57 Bücher nicht ansatzweise viel. Aber für meine Verhältnisse, zumindest seit ich in die Arbeitswelt eingetreten bin, ist das eine ziemlich hohe Zahl. Manches hat mir gut gefallen, anderes nicht, aber dennoch hat es mir bei keinem dieser Bücher leidgetan, sie zu öffnen und zu lesen. Denn von meiner Warte aus halte ich jedes dieser Bücher für eine bessere Beschäftigung als das, was viele Menschen aus meinem Freundes-, Verwandten- und Bekanntenkreis tun, wenn sie nicht wissen, was sie zu tun haben: Durch TikTok oder Instagram scrollen. 
Versteht mich nicht falsch, wie üblich gilt hier der Grundsatz "Jedem das Seine, mir das Meiste" und ich bin der letzte, der sagen würde, dass er nicht auf Instagram unterwegs ist. Aber ich für meinen Teil habe einfach im Juni dieses Jahres (bei etwa dem 17. Eintrag in meiner Liste, falls das jemanden interessiert) beschlossen, dass ich keine Lust mehr habe, täglich 40 Minuten oder mehr Screentime auf Instagram alleine zu haben und stattdessen lieber ein Buch in die Hand nehmen will.
Und alles in allem war das eine gute Entscheidung. Ich merke für mich selber, dass ich seitdem deutlich entspannter bin. Ich interessiere mich nicht mehr sonderlich für Kurzforminhalte sämtlicher Art und es fehlt mir auch nicht. Außerdem merke ich, dass ich deutlich besser dazu in der Lage bin, mich über längere Zeit mit einem Thema zu befassen, ohne zwischendurch etwas anderes machen oder mich ablenken zu müssen, als viele gleichaltrige Menschen in meinem Umfeld es sind. Ich versacke nicht mehr eine Viertelstunde an meinem Handy, obwohl ich eigentlich etwas anderes zu tun hätte. Stattdessen tue ich es einfach, um mich anschließend mit einem Buch hinzusetzen. 
Keine Ahnung, ob es am Ende besser ist, das eine Verhalten gegen das andere auszutauschen. Ich für meinen Teil glaube, subjektiv feststellen zu können, dass es mir gut tut, zu lesen, statt auf ein 6,5 Zoll großes, beleuchtetes Rechteck zu starren. Vielleicht liege ich auch falsch damit. Das könnte mir letzten Endes wahrscheinlich nur ein Psychologe sagen, und so weit will ich nicht aus reiner Neugier und für das Fazit eines Blogposts, den voraussichtlich 5 Leute lesen werden, gehen.
So oder so muss ich jetzt langsam endlich mal zum Ende kommen, daher bleiben mir nur noch einige wenige Dinge zu sagen. Wie üblich danke ich euch fürs Lesen, wenn ihr euch irgendwie bis hierher durch meine wilde Gedankenwelt geschlagen habt. Außerdem wünsche ich euch und den euren alles erdenklich gute für 2026. 
Und, last but no least, möchte ich euch meinen ganz persönlichen Ratschlag mit auf den Weg geben: Wenn ihr euch mal wieder an eurem Handy findet und länger als eigentlich gewollt durch die Kurzforminhalt-Applikation eures Misstrauens scrollt, dann legt das Telefon zur Seite und steckt eure Nase in ein Buch. Ich habe dieses Jahr damit angefangen und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. 
Bis zum nächsten Mal. 

Montag, 8. Dezember 2025

Die fragwürdige Entwicklung der Belletristik

Grüßt euch, liebe Leute. Ursprünglich sollte das hier eine (größtenteils) objektive Bewertung dieses Themas wider. Dann sind mir allerdings zwei Dinge aufgefallen. 
Zum einen ist das hier mein Blog, den sowieso keine Sau liest. Das bedeutet also, ich kann hier auch einfach meine subjektive Ansicht zum Besten geben. 
Zum anderen, selbst wenn das hier jemand liest, zeigt mir meine bisherige Erfahrung in dieser Thematik, dass die Zielgruppe dessen, was ich hier hinterfragen will, sehr eigen ist. Wird auch nur ansatzweise berechtigte Kritik geäußert, geht der wütende Mob direkt mit Fackeln, Mistgabeln und Worten wie "misogyn", "chauvinistisch" oder "rechtsradikal" auf denjenigen los, der diese Kritik äußert. Zumindest im Internet. Ob die betreffenden Personen dann auch den Mut hätten, das in der echten Welt zu tun, ist wie immer fragwürdig, aber ich schweife ab. Und das noch bevor der eigentliche Text beginnt. Ich bin offenbar mal wieder in Höchstform. 
Naja, genug davon, beschäftigen wir uns lieber mit: 
 
Der fragwürdigen Entwicklung der Belletristik... 
 
...und meiner ganz eigenen, subjektiven Meinung dazu. 
Zunächst einmal die Präambel: Ich lese gerne. Und viel. Zumindest seit drei oder vier Jahren wieder. Dazwischen gab's mal eine längere Durststrecke, zuerst verursachte durch den parallelen Mangel an Geld und den immer weiter voranschreitenden Abbau des Sortiments meiner lokalen Bücherei. Als das Geld dann mehr wurde, ging mir ziemlich zeitig der Platz für neue Bücher auf dem Dachboden meiner Eltern aus, den ich seinerzeit bewohnte. 
Als ich dann allerdings vor einigen Jahren dort ausgezogen bin, kam zusammen das ich schon länger mit der Ausbildung fertig war, was sich auf mein Einkommen ausgewirkt hat, und noch dazu plötzlich Platz für Bücherregale hatte. 
Ich lese tendenziell alles, was mir unter die Finger kommt. Wenn man mich irgendwo mit einem herumliegenden Buch alleine lässt, passiert es früher oder später, dass dieses Buch in meiner Hand landen wird. Von den großen Klassikern über Stephen King oder den Biographien von Menschen, die ich in irgendeiner Weise für interessant halte nehme ich gerne alles, was ich kriegen kann, Hauptsache es ist zumindest erträglich geschrieben und der Inhalt ist leidlich interessant. 
Im Klartext also: Ich bin eigentlich ziemlich schmerzfrei und habe auch kein großes Problem damit, zu lesen, was andere Leute als "Schund" bezeichnen würden. Oder zumindest hatte ich damit lange kein Problem. Aber damit greife ich dem Rest des Textes vorher, also beginnen wir lieber am Anfang.
 
Was genau ist Belletristik?
 
Wenden wir uns mit dieser Frage an jedermanns liebste Quelle für zuverlässiger Informationen, Wikipedia, finden wir eine relativ einfache, klare Definition: "Belletristik ist im Buchhandel fiktionale Unterhaltungsliteratur in ihren verschiedenen Formen, wie beispielsweise die literarischen Genres Roman und Erzählung."
Im Klartext also: Fiktion. Fantasy, Science Fiction, Kriminalromane, Thriller, tendenziell erstmal alles, was der Fantasie irgendeines Autors entspringt. Inklusive dessen, was eine Mitarbeiterin einer meiner liebsten Buchhandlungen einmal als "Katzenstreubücher" bezeichnete. Diese Bezeichnung rührt, ihrer Aussage nach, daher, dass sie aufgrund des Inhalts dieser Bücher regelmäßig den Bedarf verspürt, zur Vorsicht vor den entsprechenden Regalen auf dem Boden Katzenstreu auszustreuen, um die eventuelle Rutschgefahr zu minimieren. Weshalb diese Rutschgefahr entstehen könnte, überlasse ich jetzt mal eurer Fantasie.  
 
Aber was genau sind denn Katzenstreubücher?
 
Darauf gibt es zwei Antwortmöglichkeiten, eine sehr (und teilweise zu Unrecht) verallgemeinernde, und eine etwas präzisere. Fangen wir erstmal mit der allgemeineren an.
Tendenziell haben beinahe alle Katzenstreubücher eine Gemeinsamkeit: Sie gehören den Genres New Adult, Romantasy oder Dark Fantasy (oder aber deren Subgenres) an. Klar gibt's hier und da auch mal einen Ausreißer, aber ganz grob gesagt lassen sich die meisten dieser Bücher in diese Genres einordnen. Jetzt aber zu sagen, dass jedes Buch, das zu einem dieser Genres gehört, ein Katzenstreubuch wäre, würde zu sehr verallgemeinern und unfair gegenüber diesen Genres sein.
Die präzisere Antwort wäre: Katzenstreubücher sind die Vertreter der genannten Genres, in denen es hauptsächlich um eine Sache geht, und das ist Geschlechtsverkehr. In verschiedensten, teilweise juristisch fragwürdigen Farben, Formen und Variationen. Und damit meine ich nicht, dass ich die Existenz dieser Bücher für juristisch fragwürdig halte (es lebe die Kunstfreiheit!), sondern dass die dort beschriebenen Dinge in der Realität juristisch fragwürdig bis schlicht illegal wären. 
Erkennen kann man diese Bücher häufig (wenn auch nicht immer) daran, dass die Cover entweder in Pastellfarben oder in dunklen Tönen gehalten sind und häufig ein Farbschnitt in ähnlichen Farben vorhanden ist. Weitere Erkennungsmerkmale sind Aufkleber wie "BookTok made me buy it!" oder "Die TikTok Sensation - jetzt auf Deutsch!", für die ich wirklich dankbar bin, denn derlei Aufkleber verhindern, dass ich die Zeit und Energie verschwende, diese Bücher, sollten sie doch mal interessant aussehen, aus dem Regal zu nehmen und anzuschauen. 
Um genau dieser Art Bücher geht es also. Literarische Pornographie eben. Na, kommt eure Fantasie schon in Gange und euch dämmert langsam, warum besagte Mitarbeiterin der Buchhandlung lieber Katzenstreu vor dem Regal ausstreuen will? 
 
Warum genau interessiert mich das jetzt?
 
Tut es nicht. Oder besser gesagt: Tat es nicht. Denn normalerweise verfahre ich mit Dingen, die mich nicht interessieren oder betreffen so, wie jeder normale Mensch es tun sollte: Ich ignoriere sie.
Die sich bildende Problematik ist nur, dass es mir in den letzten Jahren zunehmend schwerer gemacht wird, diese Bücher zu ignorieren. Irgendwann während Corona begann es, dass sich die Fantasy Regale diverser Buchhandlungen, die ich in dieser Zeit besuchte zuerst immer mehr mit Fick-Fantasy füllten, um dann mit den Jahren in manchen Läden die normale Fantasy schlicht komplett aus den Regalen zu verdrängen. Natürlich ist mir klar, dass eine existente Nachfrage durch ein Angebot beantwortet wird, gar keine Frage. 
Nichtsdestotrotz fand ich es bedenklich, als ich 2023 beim Bummeln in einer Stadt, die ich sonst eher selten besuche in der dortigen Thalia Filiale zwar jede Menge Katzenstreubücher hätte erwerben können, Der Herr der Ringe aber leider nicht vorrätig war, sodass ich diesen dort nicht kaufen konnte. Und dieses Muster setzt sich in diversen Buchhandlungen, die ich seitdem aufgesucht habe, fort. Die BookTok/Dark Romance/Romantasy/Young Adult Regale wachsen, die Regale für andere Dinge schrumpfen, der Regalplatz wird immer weniger.
 
Damit wir uns richtig verstehen...
 
...ich kritisiere hier nicht grundlegend die genannten Genres Young Adult, Dark Romance etc. Es mag sich dabei zwar vielleicht nicht um Genres heißen, die ich übermäßig viel lese, aber nur weil mich etwas nicht interessiert, heißt das für mich nicht grundlegend, dass es schlecht ist. Was ich hier kritisiere (und für schlecht halte) sind wie gesagt Bücher, bei denen es sich um literarische Pornographie handelt. Und diese sind eben nicht nur, aber doch hauptsächlich in den genannten Genres vorhanden. 
 
Was ist meiner Meinung nach die genannte literarische Pornographie?
 
Ich würde das genauso definieren, wie ich "normale" Pornographie definieren würde: Sobald eine etwaige Handlung nur noch dazu dient, von einer Sexszene in die nächste überzuleiten, handelt es sich aus meiner Sicht um Pornographie. Für die meisten Bücher dieser Art findet man recht einfach im Internet ein Verzeichnis der Kapitel, die "spicy" sind, was unterm Strich ein Euphemismus dafür ist, dass (ziemlich detailliert) gefickt wird. Spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem die Kapitel in dieser Liste zweistellig werden, handelt es sich meiner Ansicht nach eindeutig um Pornographie. 
Nachdem wir das jetzt also abgehandelt haben, kommen wir endlich mal zum Kern der Sache: 
 
Meine Kritik an Katzenstreubüchern
 
Fangen wir mal so an: Im Normalfall lebe ich mein Leben nach einigen relativ einfachen Grundsätzen. Einer davon ist "Jedem das Seine, mir das Meiste". Wegen meiner soll erstmal jeder lesen, was er oder sie gerne möchte. Mal abgesehen von dem bereits etwas weiter oben genannten Punkt, dass immer mehr Regalplatz in Buchhandlungen für Bücher dieser Art draufgeht, habe ich drei hauptsächliche Kritikpunkte, zwei davon subjektiv, einer davon objektiv. Und weil ich eh schon riechen kann, wie der wütende Mob langsam die Fackeln entzündet, fange ich mit den beiden subjektiven Punkte an. 
 
Ich kann Heuchelei wirklich nicht leiden 
 
Manch einer mag sich jetzt fragen, was genau das mit dem Thema zu tun hat, also lasst mich erklären: 
Es gibt eine erstaunliche Überschneidung zwischen den Menschen, die in den sozialen Medien den Konsum normaler Pornographie kritisieren, auf der anderen Seite aber mit einer beunruhigenden Intensität und Frequenz Bücher dieser Art lesen und empfehlen. Und derlei Heuchelei geht mir, entschuldigt bitte, auf den Sack. 
Da wird dann großspurig drüber geredet, wie schlimm es ist, dass beinahe jeder Mann in der modernen Gesellschaft pornosüchtig ist und ach ja, lest doch mal das neue Buch von Emily McIntire, das ist richtig schön spicy zwinker zwinker. 
Und Gott bewahre, man kritisiert diese Einstellung dann. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass in den Reaktionen alles von relativ höflichen Erklärungen, warum man Unrecht und als Mann sowieso kein Recht, das zu kritisieren hat über die Bezeichnung als rechtsradikaler Chauvinist bis hin zu Androhung körperlicher Gewalt alles vorhanden ist. Eine Diskussion auf sachlicher Ebene ist mir zu diesem Thema bisher leider noch nicht möglich gewesen. Früher oder später wird es immer persönlich, man wir beleidigt, als Incel bezeichnet (Grüße an der Stelle an die Frau, mit der ich seit guten 5,5 Jahren verheiratet bin), chauvinistisch, antifeministisch oder ähnliches genannt etc. etc. etc. 
Am Ende der Argumentationen, wenn sie denn halbwegs sachlich sind, steht oft das gleiche Argument: Selbst, wenn ich richtig liegen würde, ließe es sich nicht vergleichen, denn im Vergleich zu konventioneller Pornographie verursachen Bücher dieser Art kein Leid. Und dem kann ich uneingeschränkt zustimmen. Das Problem ist nur, dass sämtliche anderen Probleme, die an Pornos (auch von mir) kritisiert werden, dennoch bleiben. 
Genauso wie Pornos vermitteln diese Bücher unrealistische Eindrücke von Sexualität. Genauso wie Pornos zersägen diese Bücher den Dopaminhaushalt. Genauso wie Pornos können diese Bücher süchtig machen. Spricht man das aber aus, ist man bei bestimmten Menschen direkt Persona non grata. 
Im Klartext also: Heuchelei der feinsten Sorte. Männer, die Pornos schauen, sind nicht okay, das ist schlecht für die Psyche und vermittelt falsche Eindrücke und überhaupt. Aber ein Buch lesen, in dem Dinge beschrieben werden, an die sich die meisten Pornos nicht mal rantrauen? Klar, kein Ding, alles super!
Und ich will gar nicht erst davon anfangen, wie befremdlich ich es finde, dass sich Leserinnen dieser Bücher durchaus häufiger mal mit ihren Müttern darüber unterhalten, welche ihnen besonders gut gefallen. Ich persönlich habe zwar ein gutes Verhältnis zu meinem Vater, fände es aber dennoch hochnotpeinlich, mich mit ihm über meinen oder seinen Pornographiegeschmack zu unterhalten. Mal davon abgesehen, dass mein in Richtung null tendierender Pornographiekonsum schlicht nicht ausreicht, um einen Geschmack zu entwickeln, aber das ist ein anderes Thema. 
Bevor ich hier vom Hundertsten ins Tausendste komme, mache ich lieber mit dem zweiten subjektiven Punkt weiter: 
 
Ich will nicht mit diesen Gestalten über einen Kamm geschoren werden
 
Ja, ich weiß. Furchtbar egoistisch von mir. Aber ich meine mich erinnern zu können, davon gesprochen zu haben, dass ich mit den beiden subjektiven Dingen anfangen wollte. Und das ist eben eines von den Dingen, die mich ganz persönlich am meisten stören. Das klassische Beispiel ist, dass ich auf irgendeiner Veranstaltung (Geburtstagsfeiern etc.) bin, wo ich Leute treffe, die ich nicht wirklich kenne. Man unterhält sich, kommt ins Gespräch, erzählt ein bisschen was von sich.
Wenn ich dann erwähne, dass ich in meiner Freizeit gerne lese, bekomme ich nicht immer, aber immer öfter diesen bestimmten, wissenden Blick. Diesen "Ahh, du bist auch einer von uns" Blick. Ein bisschen anzüglich, ein bisschen wissend, schwer zu beschreiben. Dieser Blick währt dann allerdings nur so lange, bis ich die unweigerlich kommende "Und was liest du so?" Frage beantworte. Ab da fällt das Verständnis und das Interesse an meiner Freizeitbeschäftigung des Lesens deutlich ab. Ich schätze, Dostojewski oder Sapkowski sind einfach nicht so sexy wie Colleen Hoover oder bereits erwähnte Emily McIntire. 
Und ja, ganz ehrlich, ich heule hier unnötig rum, aber nichtsdestotrotz stört es mich trotzdem, mit diesen Leuten über einen Kamm geschoren zu werden. Zu lesen war bis vor ein paar Jahren, zumindest für Menschen in meinem Alter, ein relatives Nerdhobby. Es wird erwartet, dass ältere Leute vielleicht mal ein Buch lesen, manche sogar einen Buchclub haben, wo sie mit anderen Leuten gemeinsam das gleiche Buch lesen und dann darüber diskutieren. Aber ein Mann Mitte 20? Von dem erwartet man nicht, dass er liest. Dementsprechend fanden die meisten Leute es zwar etwas seltsam, alles in allem aber positiv, dass jemand in meinem Alter sich gerne mit dem geschriebenen Wort beschäftigt. An manchen Stellen (vor allem bei meinen Altersgenossen) bin ich hauptsächlich auf Unverständnis gestoßen. 
Bis zum Siegeszug der Katzenstreubücher. Seitdem werde ich vor allem von Altersgenossen einfach nur für einen weiteren Pornosüchtigen gehalten, wenn ich sage, dass ich dieses Jahr im Schnitt mehr als ein Buch pro Woche gelesen habe. Und ganz ehrlich? Ja, das nervt mich. Tut mir nicht leid. Ich will halt einfach nicht mit Leuten, die Pornographie, völlig egal ob literarisch oder in Form von Bewegtbild, für eine gute Freizeitbeschäftigung halten über einen Kamm geschoren werden. 
So, jetzt aber genug Mimimi. Kommen wir endlich zum objektiven Teil:
 
Denk doch mal einer an die Kinder!
 
Ja, ich weiß. Ich hasse dieses Argument auch. Ich bin auch kein Fan davon, dass beispielsweise die armen Bewohner des Vereinigten Königreichs sich mittlerweile mit ihrem Ausweis identifizieren müssen, um Spotify nutzen zu können, und das alles unter dem Deckmantel des Jugendschutzes. Aber sein wird mal ehrlich, Jugendschutz ist dennoch ein wichtiges Thema. Und ich will das hier nicht nutzen, um diese Art Bücher zu verbieten oder irgendwas dergleichen. Das würde gegen meine liberale Grundordnung verstoßen. Ich appelliere nur daran, dass vielleicht irgendwer mal überlegen sollte, wie man den Jugendschutz besser gewährleisten kann. 
Es kann doch nicht sein, dass über eine EU-weite Authentifizierung via Personalausweis zum Aufruf von 18+ Inhalten im Netz diskutiert wird, gleichzeitig aber Bücher mit (Achtung lieber Lynchmob, meine subjektive Meinung) absolut ekelhaften Inhalten frei verfügbar in Buchhandlungen liegen. Im Falle einer Thalia Filiale in meiner Nähe sogar im gleichen verdammten Regal wie Bücher der Percy Jackson Reihe. Diese Dinge haben absolut nichts in der Nähe voneinander zu suchen. Währenddessen kommen übrigens die großen, gebundenen Ausgaben von Das Lied von Eis und Feuer eingeschweißt in die Läden. Um den Jugendschutz zu gewährleisten. Es ist einfach ein (Fieber)Traum. 
Natürlich ist das kein Problem der Bücher an sich. Das Problem liegt hier an den Mitarbeitern der Buchhandlung, in dem Fall der erwähnten Thalia Filiale, die den Inhalt der Bücher nicht kennen und sie daher einfach wahlweise nach Genre oder nach der Optik der Cover in das Regal stellen, das ihnen passend erscheint. 
Oh, und von den Covern will ich gar nicht erst anfangen. Ich meine, schaut euch doch mal diesen Facebook Post an, der "spicy chapters" in Büchern auflistet. Allein die ersten beiden Cover in der obersten Reihe sehen aus, als würden sie Kinder/werdende Teenager ansprechen wollen, und nicht Erwachsene. Aber gut, ich schweife ab. 
 
Also du Genie, wie geht es jetzt weiter?
 
Ich habe nicht die geringste Ahnung. Das war ja aber auch nie die Absicht dessen, was ich hier zusammenschreibe. Meine Absicht war, meinem Ärger über dieses Thema endlich mal Luft zu machen. Nicht mehr, nicht weniger. 
Ich will nicht, dass diese Bücher verboten werden oder das sie verschwinden. Es kann und soll gerne jeder lesen, was er oder sie will. Tue ich schließlich auch. Ich würde mir nur wünschen, dass ich nicht mit diesen Leuten über einen Kamm geschoren werde und das - ja, so altmodisch bin ich - die Leute sich vielleicht wenigstens wieder etwas mehr schämen und nicht stolz in der Öffentlichkeit einen Porno lesen und dann auch noch mit anderen darüber diskutieren, was sie daran am besten finden. 
Meine optimale Welt in dieser Hinsicht sähe wie folgt aus: 
Macht es bundeweit so ähnlich, wie Thalia in Münster. Die haben dort nämlich eine Buchhandlung eröffnet, die einzig und allein Bücher der Genres führt, denen auch Katzenstreubücher angehören. Zack, Problem gelöst. Der Boden dieser Buchhandlung kann mit Katzenstreu ausgestreut werden, wie es die weiter oben erwähnte Mitarbeiterin einer meiner liebsten Buchhandlungen vorgeschlagen hat. Wer solche Bücher kaufen will, kann es dennoch weiter tun, findet sogar eine darauf spezialisierte Buchhandlung. Dafür nehmen diese Bücher keinen (oder weniger) Platz in normalen Buchhandlungen weg und wenn man wollte könnte man sogar den Jugendschutz gewährleisten.  
Noch einmal: Ich will nicht alle New Adult/Romantasy/etc. Bücher über einen Kamm scheren, wenn ich dieses Beispiel bringe. Ich möchte damit nur sagen, dass das ein Lösungsansatz wäre. Nicht alle Bücher dieses Genres in eine eigene Buchhandlung zu verbannen, sondern nur die, bei denen es sich um glorifizierte Pornographie handelt.  
Wird das passieren? Nein, wahrscheinlich nicht. Aber ein bisschen Wunschdenken sollte man sich ab und an dennoch mal erlauben. 
 
Um dann endlich mal zum Ende zu kommen
 
Ich könnte hier jetzt sicherlich noch ewig über dieses Thema weitermachen. Das will ich nur nicht schreiben und ihr wollte es nicht lesen. Also will ich mal versuchen, diesen sowieso schon viel zu langen Text zu einem halbwegs brauchbaren Ende zu bringen. 
Noch einmal, zum besseren Verständnis: Mein Ziel ist es nicht, diese Bücher zu verbieten. Warum sollte es das auch sein? Existieren würden sie dennoch weiterhin, sie wären eben nur nicht mehr einfach so im freien Handel erhältlich. 
Was ich mir wünschen würde, wäre, dass die Zielgruppe solcher Bücher vielleicht selber mal etwas objektiver mit dem Thema umgeht, sich ab und zu mal an die eigene Nase fasst. Mein Ärgernis über diese Bücher wäre nicht halb so groß, wenn ich nicht regelmäßig und bei kleinster Kritik an diesen Dingen direkt und persönlich angegriffen würde. 
Klar ist es in einem gewissen Maße Heuchelei von mir, nach diesem Post ein wenig Objektivität von der anderen Seite zu verlangen, aber mein gesamter erster Kritikpunkt würde quasi sofort wegfallen, wenn es möglich wäre, mit der Leserschaft dieser Werke sachlich zu diskutieren. Ist es aber leider nicht, ich spreche da aus Erfahrung. Zumindest online nicht. Im echten Leben glaube ich nicht, dass mir auch nur die Hälfte der Dinge entgegengeschleudert würden, die ich mir online bereits anhören durfte. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema, das ich jetzt nicht auch noch anschneiden möchte.  
Vor dem abschließenden Dank dafür, dass du dieses Machwerk hier gelesen hast, möchte ich noch ein Wort an diejenigen Vertreter der entsprechenden Leserschaft wenden, die eventuell den Weg hierher finden: 
Ich bin mehr als bereit dazu, zu diesem Thema eine sachliche Diskussion zu führen. Wozu ich nicht bereit bin sind Beleidigungen, persönliche Angriffe etc. Derlei Dinge werde ich schlicht und einfach ignorieren. Ansonsten bleibt mir noch, euch zwei Weisheiten mit auf den Weg zu geben. Zum einen spiegelt eine Argumentationsstruktur zumeist die Intelligenz der Person wider, die ebendiese verfasst hat. Und zum anderen: Wenn man ins Blaue schießt und jemand "Aua" schreit, bedeutet das meistens, dass man ins Schwarze getroffen hat. 
So, jetzt aber genug dessen. Wer es bis hierher geschafft hat, dem danke ich vielmals fürs Lesen dieses literarischen Ergusses. Ich will nichts versprechen, aber mein Plan ist zumindest (siehe diesen Post), in Zukunft wieder mehr hier zu schreiben, vornehmlich zum Thema Bücher. Weniger Posts wie dieser und mehr Posts über das, was ich so lese oder kürzlich gelesen habe. Bis dahin verbleibe ich erstmal mit vielen Grüßen, wünsche euch allen einen schönen Tag und danke euch noch einmal dafür, dass ihr das hier gelesen habt. 

Montag, 1. Dezember 2025

Umbenannt

Das ist alles. Also die Überschrift. Hab den Spaß hier umbenannt. Die URL bleibt gleich, aber da die nächsten Posts, die ich in meinem Kopf grob strukturiert und geplant habe alle das gleiche Thema haben werden (Bücher, um dieses Thema beim Namen zu nennen), hielt ich das für angebracht. 
Ich wollte nie Buchblogger werden. Aber irgendwie freunde ich mich langsam mit dem Gedanken an, und sei es nur, um eine Gegenstimme zu dem zu bieten, was da draußen im Netz so rumläuft.  

Montag, 4. Dezember 2023

Ich bin wirklich froh, nicht studiert zu haben

Hallo ihr Lieben. Lange nicht gesehen gelesen und so. Aber hey, auf der Arbeit war viel los, der November ist gerade erst rum und ich hab zum dritten Mal in Folge am NaNoWriMo teilgenommen, also war mein Bedürfnis nach dem geschriebenen Wort erstmal den Monat über gedeckt. Und was die Zeit davor angeht... Naja, wenn ich ehrlich bin, hatte ich halt einfach nicht wirklich viele Themen, über die ich mich hier auslassen wollte. Ich habe ein paar halbfertige Texte in meinen Entwürfen liegen, aber irgendwie bisher noch keine Lust dazu gehabt, die fertig zu schreiben, vor allem weil der eine oder andere davon noch eine gewisse Menge an Recherchearbeit erfordert, bevor er zumindest ansatzweise die Qualität hat, die ich einer Veröffentlichung würdig befinde. Ich will nicht versprechen, dass nach der Veröffentlichung dieses Posts hier wieder etwas regelmäßiger was kommt, aber wer weiß, vielleicht finde ich ja doch irgendwann mal hier und da die Zeit und Muße, ein bisschen auf meine Tastatur einzuschlagen und irgendwas zu fabrizieren, was man hier veröffentlichen kann. Jetzt aber erstmal ans Eingemachte sozusagen. 

Über das Thema dieses Posts habe ich in den letzten Wochen und Monaten immer wieder mit Freunden, Bekannten, Verwandten und meiner Frau gesprochen und bin zu genau dem Schluss gekommen, der in der Überschrift steht: Ich bin froh, dass ich nicht studiert habe. Aber fangen wir mal am Anfang an, oder? Ich muss euch nämlich was beichten: Ich bin enorm ungebildet. Bei mir hat's weder zum Fachabitur, geschweige denn zum "richtigen" Abitur gereicht. Ich habe nichts als einen Realschulabschluss, der noch dazu eher mittelmäßig ist, und eine abgeschlossene Ausbildung, die ebenfalls eher mittelmäßig ist. Und wisst ihr was? Ich bereue nichts, im Gegenteil. 
Beinahe meine gesamte Schulzeit lang, genau genommen aber der fünften Klasse, war der Konsens unter beinahe allen meinen Lehrern, dass man quasi studieren muss. Das reichte von Lehrern, die uns Schülern das nur angeraten haben, bis zu denen, die zur ganzen Klasse im letzten Schuljahr an der Realschule gesagt haben: "Ihr müsst weiter zu Schule gehen, Abi machen und studieren. Ihr wollte doch nicht die Loser sein, die am Ende nur eine Ausbildung haben und kein Geld verdienen."

Und so war diese Idee in den Köpfen der allermeisten meiner Mitschüler, ebenso wie in meinem Kopf, festgesetzt. Also habe ich, nachdem ich keinen Ausbildungsplatz in meinem Wunschberuf bekommen habe, nach der Realschule nahtlos damit weitergemacht, eine gymnasiale Oberstufe zu besuchen. Dort habe ich allerdings schon während der Einführungsphase gemerkt, dass Schule einfach nichts mehr für mich ist. Das ewige Lernen von Dingen, die man direkt nach der Klausur wieder vergisst, war mir einfach zu viel und ich habe den Sinn darin nicht gesehen. Zusätzlich dazu kam noch, dass ich zu der Zeit zwei Freunde hatte, die zeitgleich mit meinem Start an der Oberstufe eine Ausbildung angefangen haben. Dadurch hatte ich immer vor Augen, dass beide nicht nur nach der Arbeit zu ähnlichen Zeiten zuhause waren wie ich nach der Schule, sondern auch noch Geld dafür bekommen haben, während ich, je nach Schultag, 6-9 Stunden außer Haus war und am Ende jeden Monat genau die 30€ Taschengeld hatte, die ich von meinen Eltern bekommen habe. 
Das hat dann am Ende dazu geführt, dass ich mich während des elften Schuljahres an der Oberstufe auf gut Glück bei einem Betrieb beworben habe, der mich im vorherigen Jahr abgelehnt hatte, weil die Stelle bereits besetzt gewesen war. Und siehe da, bei der 50. Bewerbung, die ich für eine Ausbildung als Fachinformatiker für Systemintegration geschrieben habe, bekam ich eine Zusage. 
Im Anschluss daran habe ich quasi sofort alles in die Wege geleitet, um den Ausbildungsvertrag zu unterschreiben, habe bei der Schule bekannt gegeben, dass ich nach dem Jahr aufhören und eine Ausbildung anfangen werde und so weiter und so fort. Die Erinnerung an den Oberstufenkoordinator, der nach meiner Abmeldung für die weiteren Schuljahre das Gespräch mit mir suchte, habe ich noch sehr lebhaft im Kopf. Er sagte mir damals, er würde hoffen, dass er mich nicht eines Tages als Kassierer im ALDI oder in einem ähnlich schlechten Job wiedersehen würde. Ich denke, ich kann heute mit gewisser Sicherheit sagen: "Lieber Herr <zensiert>, sie hätten sich keine Sorgen machen brauchen. Ich hab's ganz gut getroffen."
Nach diesem Gespräch, in dem der gute Mann mich trotz aller Mühen und aller Horrorszenarien, die er mir für meine Zukunft gemalt hat nicht davon überzeugen konnte, zu bleiben, habe ich das restliche Schuljahr abgesessen. Also versteht mich nicht falsch, ich bin jeden Tag zur Schule gekommen, habe mich am Unterricht beteiligt, vor Klausuren gelernt etc., aber am Ende habe ich mir vermutlich nicht so viel Mühe gegeben, wie ich es getan hätte, wenn ich weitergemacht hätte. Dennoch gehört das Abgangszeugnis, das ich von dieser Schule habe zu den besten meiner Zeugnisse, vermutlich, weil es an dieser Schule mehr als zwei Lehrer gab, die dazu in der Lage waren (und vermutlich auch noch sind), Wissen weiterzuvermitteln. Aber das ist ein Thema für ein anderes Mal, denke ich. 

An meinem letzten Schultag an der Oberstufe nahm ich also mein Zeugnis, ging nach Hause und dachte freudig: "Nie wieder zur normalen Schule gehen, ist das geil." Und entgegen dessen, was mir viele Leute gesagt haben, wenn ich diesen Gedanken geäußert habe, bin ich auch heute noch der gleichen Meinung. Aber gut, auch das ist ein anderes Thema, und zu eben diesem "Du wirst die Schule vermissen" habe ich vor einiger Zeit hier schon mal etwas geschrieben. 
Als dann also der August des Jahres 2015 heranrollte und ich von der Schule zum ersten Mal in einen Arbeitsalltag gerutscht bin, fühlte ich mich sofort wohl. Plötzlich saß ich nicht mehr in einem vollen Klassenraum mit 20 oder mehr lauten Mitschülern, sondern in einem Büro mit zwei anderen Kollegen. Und plötzlich wurde mir nicht mehr für den Alltag völlig unnützes Wissen wie beispielsweise Polynomdivision vermittelt, sondern tatsächlich Dinge, die für meinen Berufsalltag wichtig waren. Das Gleiche galt für die Berufsschule, die ich wöchentlich besuchte. Und zu allem Überfluss bekam ich dann auch noch monatlich Geld für das alles. 
Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch. Meine Ausbildung war nicht perfekt und mit Sicherheit eine der schwersten Zeiten in meinem bisherigen Leben. Das lag allerdings nicht nur an der Ausbildung, sondern auch daran, dass ich zu dieser Zeit privat einige Schwierigkeiten hatte. Um es mal ganz kurz zusammenzufassen: In der Firma war ich das Mädchen für alles und es wurde immer zugesehen, dass ich keine Sekunden Leerlauf hatte. Während also die Kollegen quasi dauerhaft durch Facebook scrollte, wenn uns mal wieder das Sommerloch erfasst hatte, wurde ich dreimal in der Woche in die Werkstatt geschickt, um dort Patchkabel zu sortieren, zu zählen, aufzuräumen und sauber zu machen. Unnötig zu sagen, dass sich die Anzahl und Sortierung der Kabel vom einen auf den anderen Tag nicht verändert hat, denke ich. Klassische ABM eben.
Und weil das nicht gereicht hat, war mein Leben privat zu der Zeit ebenfalls nicht sonderlich angenehm, weil ich in einer ziemlich ungesunden, toxischen Beziehung festgesteckt habe, lange Zeit, ohne es zu merken. Um es auch hier kurz zusammenzufassen: Meine damalige Freundin hat beinahe jeden Aspekt meines Privatlebens kontrolliert, wann immer ich Widerworte gab, brach sie einen Streit vom Zaun, der meistens über mehrere Tage hinwegging und derlei Dinge. 

Irgendwann war dann allerdings der Punkt gekommen, an dem alles wieder bergauf ging. Ich trennte mich von ihr, schloss meine Ausbildung ab und trat, nach einem kurzen Stint in der Arbeitslosigkeit, die Stelle an, die ich auch jetzt noch habe. Und seitdem bin ich an einem Punkt, an dem ich mich nicht wirklich beschweren kann. 
Ich habe eine angenehm bezahlte Stelle mit (meistens) sehr geregelten Arbeitszeiten, kann mir ohne Probleme die Miete für eine schöne Dreizimmerwohnung leisten, die ich gemeinsam mit meiner Frau bewohne, schaffe es, zwei Autos (mein eigenes und das meiner Frau) zu unterhalten und komme auch ansonsten mehr als gut über die Runden. Ich kann mir sogar solche unnötig dekadenten Dinge leisten, wie mehr als das durchschnittliche deutsche Nettogehalt an meinem linken Handgelenk spazieren zu tragen. Genauso bin ich in der Position, mir mal eben "spontan" bei einem Besuch im Musikhaus meines Vertrauens einen Lebenstraum zu erfüllen und mit einer Stratocaster für an die 1000€ den Laden wieder zu verlassen, ohne dass das meine persönlichen Finanzen in eine tiefe Krise stürzt. 

Und genau das ist es eben, was mich immer wieder auf das bringt, was ich in die Überschrift geschrieben habe. Ich kenne mehr Leute in meinem Alter, die studiert haben (und noch wesentlich mehr, die aktuell noch studieren), als ich Leute in meinem Alter kenne, die eine Ausbildung gemacht haben. Und (Ausnahmen bestätigen hier die Regel) ganz allgemein sind die, die eine Ausbildung gemacht haben und in ihrem Lehrberuf arbeiten mit der Gesamtsituation zufriedener als die, die studieren. 
Damit will ich nicht verallgemeinern, dass eine Ausbildung super und ein Studium schlecht ist, im Gegenteil. Jeder sollte eben genau das machen, was er für sich selbst für richtig hält. Nur leider gibt es hier ein zweigeteiltes Problem, das mir immer wieder auffällt. 
Der erste Teil ist, wie ich eben schon angesprochen habe, die Schule. Nicht nur bei mir "damals", sondern auch bei beispielsweise dem sechzehnjährigen Sohn einer Kollegin, wird in der Schule massiv auf die Kinder und Jugendlichen eingeredet, bloß keine Ausbildung anzufangen, sondern bis zum Abitur weiterzumachen und anschließend zu studieren. Das führt dann natürlich dazu, dass viele derer, für die (wie für mich zum Beispiel) die Ausbildung der bessere Weg gewesen wäre, in einem Studiengang sitzen, mit dem sie unglücklich sind und/oder auf den sie gar keine Lust haben. Oft kommt dann noch dazu, dass man im Studium nicht viel Geld hat, selbst wenn man nebenbei arbeitet, was zu hoher Frustration bei den meisten in meinem Freundeskreis führt. Und so kenne ich eben Menschen, die seit fünf oder mehr Jahren Fächer studieren, auf die sie eigentlich gar keine Lust haben, weil ihnen in der Schule eingeredet wurde, dass sie das tun müssen. Und eben, weil sie keine Lust darauf haben, ist auch kein Ende des Studiums in Sicht. 
Der zweite Teil des Problems ist die Sicht, die in unserer Gesellschaft (zumindest nach meiner anekdotischen Evidenz) auf junge Menschen herrscht, die "nur" eine Ausbildung haben. Viele meiner Kollegen, wie auch Leute in meinem privaten Umfeld haben, sobald sie erfahren haben, dass ich nichts als eine Ausbildung habe, die im Kern gleiche Frage gestellt: "Und wann fängst du mit dem Studium an?" Die Reaktionen gingen von Kenntnisnahme über Kopfschütteln bis zu dem Vorwurf, ich sei nicht sonderlich intelligent, wenn ich diese Frage mit "Gar nicht" beantwortet habe. Ähnliches beobachte ich auch, wenn die Verwandtschaft zusammenkommt. Wann immer ich auf irgendeiner Feier innerhalb der Familie bin, kommt diese Frage immer wieder auf mich zu, obwohl ich sie schon mehr als oft genug beantwortet habe. Und jedes Mal kommt dann: "Ja aber, der/die so-und-so, Sohn/Tochter von dem-und-dem studiert ja jetzt auch und nach dem Studium verdient der dann viel mehr Geld als du."
Mit allem gebührenden Respekt und ohne angeben zu wollen: Nein. Wenn ich mir die Statistiken anschaue, haben über 80% der in Vollzeit arbeitenden Bevölkerung in Deutschland ein geringeres Einkommen als ich. Folglich gibt es also nur zwei Szenarien, in denen die vorher getätigte Aussage stimmen würde. 
Entweder die Person schätzt mein Einkommen falsch ein, oder sämtliche Leute, die im Freundes- und Bekanntenkreis meiner Verwandtschaft existieren und aktuell studieren, verdienen eben nach dem Studium noch besser als ich. Anhand der eben genannten Zahl von über 80% in Deutschland, die weniger Netto haben als ich, halte ich die letzte Option allerdings schon rein rechnerisch für eher unwahrscheinlich. Aber gut, das ist wieder ein anderes Thema. 

Fakt ist jedenfalls für mich, dass ich trotz aller Nachfragen und Kritik daran, dass ich nicht studiert habe und auch nicht plane, das noch zu tun, die für mich richtige Entscheidung getroffen habe. Und das ist es ja am Ende auch, worum es gehen sollte. Die Entscheidung zu treffen, die für die eigenen Person richtig ist. Nicht die, die einem vielleicht Lehrer, Eltern, Freunde und Verwandte einreden wollen. 
Ich bin hier in der glücklichen Situation, dass meine Eltern mich bei so ziemlich jeder Entscheidung in dem Bereich unterstützt haben. Wichtig war ihnen nur, dass ich nicht auf der faulen Haut liege und gar nichts mache. Und das ist meiner Meinung nach auch der richtige Weg. Ich kenne mehrere Leute, die nur studieren, weil ihre Eltern sich das gewünscht haben, und das kann nicht der richtige Weg sein. Genauso wenig kann es der richtige Weg sein, zu studieren, weil einem die Lehrer jahrelang eingeredet haben, dass man es mit einer Ausbildung nie zu etwas bringen wird. 
Und ja (weil das gerne immer als Argument gegen mich in dieser Diskussion angebracht wird), vielleicht werde ich niemals eine Führungsposition innehaben oder dergleichen. Aber ganz ehrlich, ich bin im Moment mehr als zufrieden damit, ein mittelgroßes Zahnrad in der Maschine zu sein, die Teile der öffentlichen Infrastruktur in sechs Bundesländern am Laufen hält. Mir genügt das und ich kann ehrlich gesagt nicht sehen, warum das irgendwann nicht mehr so sein sollte. 

Um hier jetzt aber mal langsam zu einem Fazit und damit dann auch zum Ende zu kommen: Tut das, was für euch richtig ist. Bei weitem nicht jeder, der studiert ist damit unglücklich. Ich kann nur aus meiner eigenen, wie gesagt anekdotischen Erfahrung sagen, dass ich mehr Leute kenne, die studieren und mit ihrer Lebenssituation unzufrieden sind, als ich Leute kenne, die eine Ausbildung gemacht haben und mit ihrer Lebenssituation unzufrieden sind. Das wird es umgekehrt aber sicherlich genauso geben. Das hier ist auch kein Post, der eine Ausbildung glorifizieren und ein Studium verteufeln soll, auch wenn es vielleicht hier und da so wirkt. Das hier ist ein Post, in dem ich von meiner eigenen, völlig subjektiven Erfahrung berichte und sage, dass ich froh bin, am Ende nicht studiert zu haben, weil ich sonst enorm unzufrieden mit meinem Leben gewesen wäre. Also, noch einmal: Tut das, was sich für euch richtig anfühlt. 
Wenn das ein Studium ist, dann studiert. Aber wenn ihr Zweifel habt oder wisst, dass ihr lieber eine Ausbildung machen würdet, dann folgt diesem Gefühl und studiert nicht trotzdem, weil euch jemand anders das sagt. Das wird am Ende zu nichts führen außer einem Studium, dass die doppelte Regelstudienzeit dauert und immer noch nicht abgeschlossen ist. 
Damit wäre jetzt eigentlich so ziemlich alles gesagt, was ich sagen möchte, aber ich möchte zum Abschluss noch eine Kleinigkeit hinterherschieben, das Tüpfelchen auf dem i sozusagen. Im Rahmen der Entstehung dieses Posts habe ich mal spaßeshalber ein wenig Recherche angestellt, wie viel ein Realschullehrer in dem Bundesland, in dem ich zur Schule gegangen bin, im Durchschnitt verdient. Das Ergebnis dieser Recherche war, dass mein Einkommen nach drei Jahren Ausbildung und fünf Jahren arbeiten beim gleichen Arbeitgeber mit hoher Wahrscheinlichkeit das aller Lehrer, die mir seinerzeit sagten, ich müsse studieren, übersteigt. Aber das nur noch so als kleine Anmerkung am Rande. 

Was den Rest angeht, danke ich euch wie üblich fürs Lesen, entschuldige mich für diese Wall-of-Text und hoffe, man sieht sich vielleicht mal wieder. Dieses Mal eventuell etwas schneller als nach über einem Jahr. Macht's gut. 

Freitag, 15. Juli 2022

Schullektüre oder: Wie wir systematisch dafür sorgen, dass ganze Generationen das Lesen hassen

Disclaimer: Ich habe nicht sonderlich viel Ahnung von dem, was ich hier schreibe und es handelt sich dabei ausschließlich um meine Meinung zu dem Thema. 

Hallo ihr Lieben. Meinem vorletzten Post war ja ziemlich eindeutig zu entnehmen, dass ich (wie ihr vermutlich auch) eine nicht geringe Menge meines bisherigen Lebens in der Schule verbracht habe. Und wie das eben so ist, hat sich in diese Zeit auch die eine oder andere Lektüre eingeschlichen. Egal ob im Deutsch- oder Englischunterricht, früher oder später passierte es immer, dass irgendein Buch gelesen wurde. In meiner Schulzeit waren das alles in allem elf Stück, von denen mir nur eins ("Krabat" von Otfried Preußler) wirklich positiv in Erinnerung geblieben ist. Der Rest ließ sich aus meiner Sicht eher irgendwo zwischen "erträglich" und "Oh Gott, wann ist es endlich vorbei" kategorisieren. An dieser Stelle möchte ich der Vollständigkeit halber einmal auflisten, um welche Bücher es sich da handelt, aber nicht jedes einzelne bewerten oder irgendwie in die genannten Kategorien aufteilen. Da wären also: 

  • "Konrad: oder Das Kind aus der Konservenbüchse" von Christine Nöstlinger
  • "Krabat" von Otfried Preußler
  • "Die Wolke" von Gudrun Pausewang
  • "Die Welle" von Morton Rhue (zweimal, einmal auf dem Gymnasium, einmal auf der Realschule)
  • Das Tagebuch der Anne Frank
  • "Hau ab, du Flasche" von Ann Ladiges
  • "Auf Wiedersehen im Cyberspace" von Gillian Cross
  • "Der Richter und sein Henker" von Friedrich Dürrenmatt
  • "Tschick" von Wolfgang Herrndorf
  • "Leben des Galilei" von Bertholt Brecht
  • "Thirteen Reasons Why" von Jay Asher
Diese Liste ist wie gesagt ohne Wertung und auch nur der Vollständigkeit halber hier eingefügt. Im Kern soll dieser Post sich darum drehen, wie vielen Leuten durch das erzwungene Lesen schlechter bis mittelmäßiger Bücher bis heute der Spaß am Lesen genommen wurde. Mich persönlich betrifft das nicht, dafür aber viele der Leute, die ich kenne. Und das ist traurig, denn lesen kann - wenn man denn die richtigen Bücher nimmt - ein wirklich schöner und entspannender Zeitvertreib sein. Genügend Leute aus meinem sozialen Kreis aber wurde durch den Zwang, diverse mittelmäßige bis schlechte Bücher in der Schule lesen zu müssen sämtlicher Spaß am Lesen ziemlich effektiv ausgetrieben. Und ich kann es verstehen. Wenn ich nicht schon seit ich lesen gelernt habe damit angefangen hätte, alles zu verschlingen, was mich annähernd interessiert hat, dann würde es mir vermutlich ähnlich gehen. Da ich aber mit dem Mindset "Lesen ist toll" in die weiterführende Schule und damit die Zeit der Lektüren gestartet bin, haben diese Bücher lediglich meine Motivation zu lesen ein wenig gedämpft, anstatt sie völlig zu torpedieren.

So oder so habe ich, wie dieser Blog vielleicht ab und an aufzeigen mag, eine gewisse Affinität zum geschriebenen Wort. Das hat allerdings nicht wirklich dafür gesorgt, dass ich an solch literarischen Meisterwerken wie "Auf Wiedersehen im Cyberspace", welches seinerzeit völlig zurecht für 1 Cent gebraucht auf Amazon zu erstehen war, mehr Freude hatte als andere, die zu dessen Konsum genötigt wurden. Die allermeisten meiner Klassenkameraden haben schlichtweg direkt darauf verzichtet, die entsprechenden Bücher zu lesen und haben sich, wenn überhaupt, ein paar Tage vor der entsprechenden Klassenarbeit eine Zusammenfassung der Geschichte, der Charaktere und deren Entwicklung im Internet gesucht. Die meisten allerdings, ausgehend von meiner Erfahrung, haben die eine Arbeit im Jahr einfach als zu vernachlässigen betrachtet, irgendwelchen Mist hingeschrieben und die erwartete 4 kassiert. Ich habe bei beinahe allen oben genannten Büchern zu den wenigen gehört, die das jeweilige Machwerk komplett gelesen haben und war zusätzlich dazu meistens der einzige Vertreter meines Geschlechts, der das getan hat. Und warum? Ich glaube, die Antwort darauf ist zweigteilt. 

Zum einen habe ich, wie bereits oben geschrieben, eine gewisse Zuneigung zu auf Papier gedruckten Wörtern. Zum anderen, in direktem Zusammenhang damit stehend, habe ich eben schon in meiner Grundschulzeit viel und gerne gelesen, was natürlich dazu geführt hat, dass ich in der Lage war und bin, verhältnismäßig schnell zu lesen. Das bedeutete natürlich entsprechend, dass es für mich keine die gesamte Ferienzeit ausfüllende Aufgabe war, wenn der Lehrer sagte "Lest dieses Buch mit 200 Seiten bitte über die zwei Wochen Herbst/Osterferien". Wenn das Buch zumindest halbwegs gut lesbar war, habe ich das die meiste Zeit so oder so schon getan, bevor die Ferien überhaupt anfingen. Ansonsten habe ich mich eben hingesetzt und meistens das erste Ferienwochenende damit verbracht, mich durch die entsprechende Publikation zu arbeiten und dabei gelegentlich zu denken "Was für eine Zeitverschwendung, du könntest jetzt auch ein vernünftiges Buch lesen". 

Kein Wunder also, dass diejenigen aus meiner Klasse, die eh nicht sonderlich viel lasen keine Lust dazu hatten, eine langweilige Geschichte zu lesen, für deren Konsum sie auch noch einen wesentlichen Teil ihrer Freizeit hätten opfern müssen. Und an diesem Punkt kommen wir zu der Idee, die vor einiger Zeit in meinem Hirn aufkeimte: 
Wieso lassen wir unsere Schüler nicht vernünftige, spannende Bücher lesen? Bücher, bei denen die Motivation zum lesen von ganz alleine kommt, weil die Geschichte so einnehmend ist, dass man ganz von sich aus wissen möchte, wie es weiter geht. Noch dazu eventuell sogar Bücher, deren Charaktere so gut geschrieben und ausgearbeitet sind, dass es eventuell sogar Spaß macht und ganz leicht von der Hand geht, Charakterisierungen zu schreiben, anstatt eine elende Quälerei zu sein. Und auch, wenn das alles Geschmackssache ist, so glaube ich doch, halbwegs objektiv sagen zu können, dass beispielsweise eben genanntes "Auf Wiedersehen im Cyberspace" oder eben auch "Hau ab, du Flasche" keine guten Bücher sind. Die Geschichten sind sterbenslangweilig, teilweise vorhersehbar und haben nur einen einzigen Zweck, nämlich dem Leser (gar nicht mal so) unterschwellig mitzuteilen, dass Suchtmittel echt nicht so cool sind. Ich weiß nicht, wie es mit euch ist, aber ich persönlich kann unterschwellige Erziehungsversuche nicht sonderlich gut leiden, erst recht nicht, wenn sie ungefähr so unterschwellig wie der örtliche Honda Civic Tuner sind, der mit seinem 125 dB Auspuff nachts im ersten Gang durch alle Wohnsiedlungen ballert, um den Leuten unterschwellig mitzuteilen, was für ein tolles Auto er hat. 

Aber ich schweife ab. 

Um zum Thema zurückzukommen: Mir stellt sich grundlegend die Frage, weshalb es scheinbar nicht möglich ist, zumindest halbwegs brauchbare Bücher im Schulunterricht zu lesen. Bevor ich mich allerdings daran gemacht habe, meinen ehemaligen Lehrern Vorwürfe über ihre Buchauswahl zu machen, hab ich meinen bereits im letzten Post erwähnten ehemaligen Geschichtslehrer Mark gefragt. Neben Geschichte unterrichtet der nämlich auch noch Englisch und hat folglich Erfahrung mit der Auswahl von Lektüren. An dieser Stelle sei hier einfach mal seine Antwort zitiert, die mir zumindest teilweise meine Vermutung bestätigt hat: 

"Also im Grunde gibt es einen Lehrplan für das Land und dann einen schulinternen Lehrplan. In dem schulinternen Lehrplan werden vom Kollegium Themen und auch Bücher besprochen und für die Jahrgangsstufen beschlossen.
Natürlich habe ich als Lehrer freie Hand, aber wenn eine Konferenz für alle Klassen eines Jahrgangs ein Buch nehmen wollen, muss sich jeder Kollege, wenn er nicht Stress haben möchte, daran halten.
Habe ich einen solchen Beschluss nicht (schulintern) muss ich gucken, was das Land sagt.
Aber dann habe ich viel Freiheit. Das Grundthema muss halt passen.
Ich kann, wenn Shakespeare verlangt wird NICHT Orwell machen."

Natürlich bezieht sich diese Antwort nur auf Nordrhein-Westfalen, da ich auch nur dort zur weiterführenden Schule gegangen bin und Mark dort unterrichtet. Aber dennoch sehe im eben meine Vermutung, dass die Lehrer eine gewisse Freiheit in der Auswahl der Lektüre haben, wie gesagt bestätigt. Trotzdem will ich hier nicht alleine den Lehrer die Schuld geben, denn es ist zu bedenken, dass es einen meistens recht beträchtlichen Altersunterscheid zwischen Schüler und Lehrer gibt und folglich Ansichten, Geschmäcker und eben auch Meinungen zu Büchern an beiden Enden dieser Kette verschieden sind. So habe ich beispielsweise, seit ich etwas älter geworden bin, einige der üblichen Schullektüren höherer Klassen gelesen, unter anderem George Orwells "1984", J.D. Salingers "The Catcher in the Rye" und Harper Lees "To Kill a Mockingbird". Jedes davon hat mir gut gefallen, aber ich bin mir nicht sicher, ob das, als ich vor acht Jahren an der gymnasialen Oberstufe war, die ich letzten Endes zu Gunsten meiner Ausbildung abgebrochen habe, genauso gewesen wäre. Ich würde gerne ja sagen, aber damit würde ich mein 17/18 Jahre altes Ich vermutlich geistig reifer darstellen, als es tatsächlich war. 

Aber eben genau das muss man irgendwo bei der Auswahl einer Lektüre beachten. Die Gehirne von Lehrern und Schülern befinden sich eben auf einem unterschiedlichen Entwicklungsstand und entsprechend sind die Prioritäten und Interessen anders verteilt. Alles, was mich während meiner Realschulzeit beispielsweise interessiert hat, war WoW, meine Freunde und Musik im Allgemeinen und Nirvana im Speziellen. Und während alle diese Dinge mich auch heute noch interessieren, sind mit den Jahren und der Reife eben auch andere Sachen dazugekommen, die das Interesse an anderen Geschichten mit sich brachten. Und genau hier setzt jetzt meine Kritik an den Lehrern an, die ich in den entsprechenden Fächern hatte: Man kann eben nicht erwarten, dass Schüler begeistert davon sind, eine Geschichte zu lesen, die absolut nicht ihrem Interesse entspricht. Und allgemein wird die Begeisterung auch nicht dadurch größer, dass man die Schüler dazu "zwingt", diese Geschichte zu lesen. 

Natürlich kann ich irgendwo auch die andere Seite verstehen. Lehrer sind auch nur Menschen und sich einfach daran zu halten, jedes Jahr "Die Welle" zu lesen, wofür man eben schon eine gut ausgearbeitete Unterrichtseinheit hat, ist schlicht weniger Aufwand, als jedes Jahr ein anderes Buch zu lesen. Davon abgesehen unterstelle ich hier jetzt mal, dass an der Stelle auch ein wenig das Prinzip "Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht" gilt und man sich deshalb lieber an die althergebrachten Sachen hält, anstatt neues auszuprobieren. Und das ist im Prinzip ja auch nicht schlimm. Das Problem ist nur, dass wahrscheinlich seit 1984 locker 30 Jahrgänge an Siebtklässlern damit gequält wurden, "Die Welle" lesen zu müssen, damit sie auch wirklich begreifen, wie schlimm Faschismus ist und wie leicht er sich ausbreiten kann. An sich ist es eine gute Sache, den Schülern das beizubringen, aber ich habe meine Abneigung gegenüber Faschismus sicherlich nicht daher, dass ich dieses Buch im Laufe meiner Schulzeit zweimal lesen musste. Der einzige positive Punkt, den ich für "Die Welle" machen kann ist, dass das Buch zumindest gut genug geschrieben ist, um ein erträgliches Leseerlebnis zu bieten. Es wird sicherlich niemals eins meiner Lieblingsbücher werden, aber ich musste mich weit weniger durchquälen als bei anderen Einträgen auf der Liste oben.

Jetzt wollen wir aber mal zu dem Ereignis kommen, das diese wall-of-text ausgelöst hat. Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mal mit einer Arbeitskollegin, die mir von der Schullektüre ihrer Tochter erzählte. Diese Tochter liest aktuell in der Schule "Tödliche Spiele" von Suzanne Collins. Wem das jetzt vage (oder auch nicht so vage) bekannt vorkommt, dem sei mitgeteilt, dass das das erste Buch der Tribute von Panem Reihe ist. Und wer diesen Post hier gelesen hat, der weiß, dass ich dieses Media-Franchise ziemlich gerne mag. Entsprechend bin ich also verdammt neidisch auf die Tochter meiner Kollegin, dass die in der Schule ein vernünftiges, spannendes Buch lesen darf und ich (fast) immer nur den gefühlten Bodensatz aus der Kategorie "Jugendbücher" lesen musste. Und auch darauf, dass sie zumindest in Deutsch einen Lehrer oder eine Lehrerin hat, die eben genau das begreift, was ich hier irgendwie auszudrücken versuche: Wenn die Lektüre gut genug ist, fangen die Kinder/Jugendlichen ganz von selbst an zu lesen. Natürlich wird es weiterhin auch dann Schülerinnen und Schüler geben, die es vorziehen, die Verfilmung des Buches zu schauen und sich vielleicht noch im Internet eine Zusammenfassung anzuschauen. Aber ich äußere auf blauen Dunst mal die Vermutung, dass die Zahl derer, die das machen sich analog zur Qualität des gelesenen Buches verhält. 

An eben diesem Punkt kommt eben für mich beinahe schon geniale Auswahl des ersten Panem-Buchs als Schullektüre ins Spiel. Nicht nur ist das ein Buch von der "Kann man nicht weglegen" Sorte, nein. Es hat auch noch mehr als nur eine Spur Gesellschaftskritik und mehr als genug unterschwellige Botschaften und Charaktere, die in den von Lehrern so geliebten Standardaufgaben zu der gelesenen Lektüre kaputtanalysiert werden können. Last but not least kommt noch dazu, dass das Buch zwei Fortsetzungen und ein Prequel hat, wodurch man vielleicht tatsächlich noch Schüler dazu bewegen könnte, in ihrer Freizeit zu lesen, weil sie gerne wissen wollen, wie es weitergeht. Genau so funktioniert es meiner Meinung nach, Kinder und Jugendliche dazu zu bekommen, freiwillig ein Buch in die Hand zu nehmen und es zu lesen. 

Natürlich liest nicht jeder gerne. Wir alle sind verschiedene Menschen mit verschiedenen Hobbies und das ist auch gut so. Genügend meiner Altersgenossen haben sich lieber mit Fernsehserien, Internetvideos oder Videospielen befasst und ich kann es verstehen. Alles in allem vertrete ich schließlich grundlegend die Meinung, dass, bei aller Liebe für Bücher, Filme, Serien etc., das Videospiel das aktuell beste Storytelling-Medium ist, das der Menschheit zur Verfügung steht. Wer das nicht so ganz glauben kann oder will, der sollte sich einmal mit dem absoluten Meisterwerk befassen, das Horizon Zero Dawn ist. Aber ich schweife ab. Wie bereits erwähnt ist Lesen sicherlich kein Hobby für jeden Menschen. Ich frage mich aber dennoch, wie viele meiner Altersgenossen wohl nie damit angefangen haben, in ihrer Freizeit zu lesen, weil sie beinahe seit Beginn ihrer Schulzeit nur Langeweile mit Büchern verbunden haben. Ich persönlich habe in meinem Freundeskreis mindestens zwei Menschen, denen es so geht. 

Natürlich könnte und kann mir das egal sein, schließlich ist das ja deren Verlust und hindert mich nicht daran, weiterhin zu lesen, was ich will. Es ist mir aber nicht egal, zumindest nicht völlig. Gewissermaßen habe ich Mitleid mit diesen Menschen, weil ihnen so viele großartige Welten und Geschichten verschlossen bleiben. Denn bei aller Liebe, die ich beispielsweise sowohl für die 1990er als auch die 2017er/2019er Verfilmungen von Stephen Kings Es habe, so kommen alle Filme doch nicht annähernd an das Buch heran, was die Verstrickung der Handlung angeht. Und so ist es eben mit vielen, ja beinahe allen Buchverfilmungen. Völlig am Rande liegen lasse ich hier mal die Bücher, die zwar großartig sind, aber (noch) nicht verfilmt wurden. So verpassen viele Leute großartige Geschichten, weil ihnen in der Kindheit und Jugend durch die Schule das Lesen verdorben wurde. Daher jetzt, quasi als Abschluss dieses ellenlangen Textes hier folgende Frage von mir: Muss das wirklich sein? Es könnte doch auch anders gehen.  

Ich danke euch allen wie üblich fürs Lesen, wenn ihr euch bis an diesen Punkt durcharbeiten konntet. Der Text hat dieses Mal keine Bilder, weil ich nicht viel finden konnte, was wirklich dazu gepasst hätte. Sicherlich hätte ich einige der Cover der erwähnten Bücher einfügen können, aber was hätte das groß für einen Wert gehabt, außer den Text etwas aufzulockern? Alles in allem handelt es sich bei diesem halben Roman, wie bereits am Anfang erwähnt, nur um meine Meinung und meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke. Ich will mir keineswegs anmaßen zu behaupten, dass ich damit völlig richtig liege und nur meine Meinung zählt oder das ich auch nur annähernd Ahnung von dem hätte, was ich da schreibe und behaupte. Ich will lediglich diese Vermutungen äußern, die sich aus meiner bisherigen Erfahrung mit dem Thema ergeben haben. Erneut vielen Dank dafür, dass ihr das gelesen habt und bis zum nächsten Mal.